Fragebogen

Donat Hofer, 39, SRF-Reporter

Sind Sie ein Menschenfreund?

Ja, ich mag Menschen.

Sind Sie auch freundlich zu sich selbst?

Ich arbeite daran. Ich sehe noch zu oft das, was fehlt oder klemmt, anstelle dessen, was da und wunderbar ist. 

In Ihrer Sendung sprechen Sie zufällig Menschen an und stellen ihnen persönliche Fragen. Kürzlich verbreitete sich ein Video mit einem solchen Gespräch in den sozialen Medien, in dem der befragte Banker zum Gespött wurde. Wie gehen Sie damit um?

Ich stehe mit ihm in Kontakt und bin froh, dass er gut mit der Situation umgehen kann. Zu erleben, welche Dynamik ein Interview entfalten kann, erzeugt Respekt und erinnert an unsere Verantwortung. Ich denke, was mit dem «Sales Guy»-Meme passiert ist, sagt viel über unsere Gesellschaft aus – das stimmt mich nachdenklich.

Warum wollen Menschen öffentlich über Privates sprechen?

Diese Frage muss jede und jeder für sich beantworten. Meine Motivation, die Menschen dazu einzuladen, ist, eine Verbindung herzustellen: zwischen diesem Menschen und mir, und auch im grösseren Kontext der Zuschauenden. Ich will den Menschen auf Augenhöhe und mit offenem Herzen begegnen und durch das Gespräch einen Einblick in ihr Leben und ihre Gefühlswelt erhalten. Das baut Vorurteile ab und verbindet.

Wie stellen Sie intime Fragen, ohne zu verletzen?

Ich folge meinem Bauchgefühl. Oft frage ich, ob es okay ist, wenn ich eine Frage zu einem persönlichen Thema stelle. Damit will ich dem Gegenüber sagen, dass es nicht antworten muss, dass es selber entscheide, was es erzählen möchte.

Welche Frage stellen Sie nie?

Es gibt keine Frage, die ich kategorisch ausschliesse. Alles kommt auf die Situation an.

Wo verläuft die Grenze zwischen Interesse und Voyeurismus?

Gute Frage. Für mich ist der Aspekt wichtig, wer vom Gespräch profitiert. Wenn die Sensationslust grösser ist als das ehrliche Interesse und man so einen Menschen und die Situation ausnützt, dann ist der Voyeurismus zu gross. Der Lustgewinn am Voyeurismus der Zuschauenden darf nicht auf Kosten der Protagonisten gehen. 

Können Menschen vor der Kamera authentisch sein?

Klar. Die einen mehr, die anderen weniger.

Können Sie es?

Mal mehr, mal weniger. 

Was gefällt Ihnen an Roger Schawinski?

Ich kenne ihn nur als öffentliche Figur, als Visionär und Macher, als einen belesenen, gescheiten, umtriebigen Journalisten. Als einen, der sich für die Gesellschaft interessiert, der sich für Sachen einsetzt und der den Mächtigen auf die Finger schaut und haut (mit Argumenten).

Welche Sendung hat Sie geprägt?

Reporter, Aeschbacher, Müslüm, Grüezi Deutschland und viele weitere.

Welche Sendung würden Sie gern machen?

«Donat auf Achse» durch Deutschland. (eme)