Woher nehmen Sie die Freiheit, sich selbst zu erfinden?
Die grösste Freiheit ist meine späte Erkenntnis, dass mir «Freiheit» von klein auf suggeriert wurde. So gesehen kann ich mir Freiheit nicht nehmen, sondern mich nur jener ursprünglichen Freiheit zuwenden, die ich im Innersten bin.
Welches Verhältnis haben Sie zum Idyll?
Die meisten suchen das Idyll dort, wo ihre Wünsche erfüllt werden. Ich finde es dort, wo sie überflüssig werden. Dort, am toten Punkt zwischen Geschehen und Begehren, offenbart sich etwas, das keinen Namen braucht, weil es allem Benennen vorausgeht. Oder mit müslümisch-paradoxer Erkenntnis formuliert: «Wer nicht will, der bekomm.»
Was bedeuten Ihnen Grenzen?
Die Entgrenzung, die wir sind, lässt sich nicht eingrenzen; auch nicht durch den menschlichen Versuch, das Abstrakte in Worte zu fragmentieren. «Las la bambele.» Oder frag dich ganz einfach: «Was passiert, wenn das, was passiert, passiert?»
Ist Ihnen etwas heilig?
Die Bereitschaft, sich dem Prozess der Werdung zu verschenken, ohne bereits wissen zu müssen, wer man am Ende sein wird. Es verhält sich ähnlich wie bei der Raupe, die ihren Kokon als Ende fürchtet, bis sie als Schmetterling begreift, dass sie nie fürs Kriechen bestimmt war.
Welches sind die Wirkstoffe Ihres Süpervitamins?
Es ist ein Placebo, das den Menschen an seine Essenz erinnert – an das, was bereits in ihm angelegt ist und nach aussen getragen werden will. Manche nennen diesen Wirkstoff Leidenschaft, andere Berufung. Ich nenne ihn Bewusstsein: jenen Zustand, der durch das absichtslose Zelebrieren unseres Daseins wirkt und hoch ansteckend ist.
Worüber können Sie herzhaft lachen?
Über das Unvorhersehbare.
Was geben Sie Ihren Kindern weiter, was Sie von Ihren Eltern gelernt haben?
Ohne Sonne gäbe es uns nicht. Wenn sie verschwindet, verschwinden auch wir. Ihre stärkste Eigenschaft ist einfach: Sie scheint. Nicht auf Kommando, nicht für Applaus. Genau diesem Prinzip sind auch wir verpflichtet: aus dem eigenen Kern heraus die Welt zu nähren. Das ist Kunst.