Adliswil ist offenbar ein Ort für Höhenflüge: zum einen wegen der Kirchturmhöhe. Mit 69 Metern steht hier der höchste Kirchturm einer römisch-katholischen Kirche im Kanton. Zum anderen wegen der Felseneggbahn, die das Städtchen über einen Höhenunterschied von 300 Metern mit der Albiskette verbindet. Die Talstation liegt derart wenige Schritte hinter der Kirche, dass Pfarrer Radosław Jaworski gerne scherzt, man sei die einzige Pfarrei, die eine eigene Seilbahn im Garten habe. Nach dem Mittag komme er «zur Arbeit herunter» – wenn er sich nämlich wieder einmal motiviert hat, die Bahn zu nehmen, weil sich in der Höhe so gut die Gedanken sammeln lassen. Oben angekommen: sein persönlicher Lieblingsort, ein Mittag wie Ferien. Wieder unten sieht er Wanderer und Touristinnen auf dem Weg zur Seilbahn den Kirchturm fotografieren – weil er nicht nur hoch ist, sondern auch schön anzusehen.
Die 800 Meter hohe Albiskette ist nicht die einzige Erhebung, die Gegend ist hügelig. Wie die katholische ist auch die reformierte Kirche auf einem Hügel gebaut. Pfarrer Jaworski erinnert sich, wie er «drüben» seinen ersten Gottesdienst feierte, als er vor zehn Jahren als Vikar ankam. Die Geschichte dahinter gleicht einem weiteren Adliswiler Höhenflug: Im Jahr 2016 wurde gerade die katholische Kirche renoviert. Die reformierte Gemeinde lud also die katholische ein, zu Gast zu sein. Beide Gemeinden waren es gewohnt, zur selben Zeit Gottesdienst zu feiern. «Wir durften ihre Kirche benützen, einfach deswegen, weil wir mehr waren – und sie wichen in ihr Kirchgemeindezentrum aus», erinnert sich Jaworski. Ein Moment, der die Beziehungen zueinander nachhaltig geprägt – aber auch seine ökumenische Haltung grundsätzlich verändert hat.