360 Grad

Eisbaden, Töff-Segnung und die Jahrgangsweine

Vom Kirchturm raus in die Welt: Ein Blick rund um die Pfarrei Heilige Familie in Richterswil.

Es könnte sein, dass Mario Pinggera zu den Pionieren des Eisbadens gehört: Vor bald 20 Jahren, als er bereits Pfarrer von Richterswil war, stieg er erstmals bei spürbarer Kälte in den Zürichsee. «16. März 2007» – er weiss sogar das exakte Datum noch. «An diesem Tag war ich allein. Heutzutage kann es schon sein, dass ich an einem Februar-Nachmittag einige Gleichgesinnte treffe.» 365 Tage im Jahr ist Pinggera im See, «der mentalen Gesundheit wegen», der See ist zu einem seiner zentralen Lebensorte geworden. Sehr wahrscheinlich, dass er damit in Richterswil nicht allein ist. Majestätisch liegt das grosse Wasser dem Ort zu Füssen, der Ort lebt an seinen Ufern. 

Einmal im Jahr ist der See dann die Kulisse für ein kirchliches Ereignis der besonderen Art: der Töff-Segnung, für die Richterswil bis in den Hochschwarzwald, nach Freiburg und hinein ins Vorarlberg bekannt ist. «Über 1000 Menschen, rund 400 Töffs», schwärmt der Pfarrer, der selbst bevorzugt mit seinem Töff reist. «Manche bringen aber auch ihren Rollator zur Segnung oder ihr Trottinett», freut er sich. Er ahnt offenbar die naheliegende Frage und schiebt ernst nach: «Ich erbitte nicht Gottes Segen für das Blech, sondern für die Menschen.» 

Vom Wasser zum Wein: Wie so vieles hier liegt die katholische Kirche auf einer Anhöhe, und wie naheliegend ist diese ein Rebberg. «Wenig, aber guter Wein», nickt der Pfarrer anerkennend, Eigentum der Kirchenstiftung, verpachtet an einen biologischen Weinbauer. Riesling-Silvaner wird gekeltert und Garanoir Barrique, zwischen 200 und 400 Flaschen pro Jahr. «Alles Jahrgangsweine», sagt Mario Pinggera nicht ohne Zufriedenheit. Geteilt wird der edle Tropfen mit allen – die ihn beim Weinbauer käuflich erwerben wollen. Und mit den Gästen im Pfarrhaus.

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