Der Kirchturm hätte direkt neben der Kirche stehen sollen, wo jetzt der Weg vorbeiführt. Und direkt neben dem Weg, wo jetzt ein Acker ist, hätte die reformierte Kirche stehen sollen. Pfarrer Bruno Rüttimann kennt die grossen Pläne, die man in den 1960er-Jahren für Rümlang hatte: Ein neues Stadtzentrum hätte entstehen sollen, rund um die beiden Kirchen. Man rechnete mit bis zu 40 000 Einwohnenden. Tatsächlich hat die Gemeinde heute etwas mehr als 9000. Die katholische Kirche steht am Rand des Dorfes, ohne Kirchturm. Eine weite Fläche aus Feldern, Wiesen und vereinzelten Bauernhöfen erstreckt sich Richtung Zürich-Seebach. «Ich liebe diesen Freiraum hier», strahlt Bruno Rüttimann und erzählt von seinen abendlichen Spaziergängen, allein draussen, ganz für sich.
Die «alte» reformierte Kirche hingegen hat einen Kirchturm, und dieser hat sogar einen Namen: der «glismete Turm». Offenbar war die Renovation desselben anno dazumal auch durch die fleissigen Strickarbeiten der Frauen möglich geworden – eine Geschichte, die allerdings zu überprüfen wäre, wie der Pfarrer zu bedenken gibt. Und während Rüttimann viel zu erzählen weiss von der Gemeinde, in der er seit 2009 lebt, erhebt sich im 5-Minuten-Takt ein grosses Rauschen von Maschinen: Rümlang liegt in direkter Nachbarschaft zum Flughafen, ein Teil davon befindet sich sogar auf Gemeindegebiet. «Das gehört zu uns», sagt Bruno Rüttimann – und meint den Lärm, den Kerosin-Geruch in der Nase und die riesigen Flugzeuge, unmittelbar über den Wohnhäusern. «Wenn ich am Morgen aufstehe, sehe ich als Erstes ihre Lichter – zwei, drei hintereinander, kommen sie auf die Landebahn zu.» Einige hundert Flugzeuge pro Tag werden es schon sein, schätzt er. Für ihn ist auch das Seelsorge: mit dem leben, was ist.