Glauben heute

Wahre Gesundheit heisst, in Beziehung mit Gott zu stehen

Gesund leben, fit sein, möglichst jung bleiben – «Longevity» ist in aller Munde. Mit gesunder Ernährung, Bewegung und Medizin möchten viele nicht nur länger leben, sondern im Alter auch leistungsfähig bleiben. Daran ist nichts auszusetzen. Unser Körper ist kostbar und verdient Pflege. Doch manchmal entsteht der Eindruck, der Mensch sei gar nicht mehr als sein Körper – ein biologisches System, das man möglichst lange funktionsfähig halten muss.

Hier setzt der Apostel Paulus einen wichtigen Akzent. Er unterscheidet zwischen «sarx» und «soma». «Sarx», das Fleisch, beschreibt den Menschen, der sich auf das Sichtbare und Vergängliche beschränkt. «Soma», der Leib, ist hingegen der ganze Mensch – mit seiner Würde, seiner Seele und seiner Berufung, von Gott bewohnt zu werden. Deshalb schreibt Paulus im ersten Brief an die Gemeinde in Korinth: «Euer Leib (soma) ist Tempel des Heiligen Geistes.»

Auch die heilige Hildegard von Bingen, deren Gedenktag am 17. September ist, erinnert an diese Einheit von Leib und Seele. Für sie war der Mensch nur dann gesund, wenn Körper, Geist und Seele im Einklang mit Gott lebten. Wahre Gesundheit bedeutet deshalb immer auch, in Beziehung zu Gott zu stehen, der uns Leben in Fülle schenken will.

Am 15. September, nur wenige Tage zuvor, gedenken wir der sieben Schmerzen Mariens. Maria gilt – weil sie Jesus ausgetragen hat – als «erster Tempel» des neuen Bundes zwischen Gott und den Menschen. Der Heilige Geist überschattete sie, und so wurde sie zur lebendigen Wohnung Gottes. Doch Tempel Gottes zu sein, bewahrte sie nicht vor Leid. Flucht, Sorge und schliesslich der Tod ihres Sohnes prägten ihr Leben. Gerade darin liegt eine tröstliche Botschaft: Der Tempel Gottes ist nicht vor Schmerzen geschützt. Aber wer mehr ist als nur «sarx», wer den Heiligen Geist in sich trägt, bleibt auch im Leid von Gott getragen. Unser Wert hängt nicht von Schönheit oder einem langen Leben ab – Gottes Gegenwart verleiht dem Leib eine Würde, die stärker ist als Leid und die auch der Tod nicht zerstören kann.