GfA Entlisberg (ehemals Pflegezentrum) 1. Teil
1 Da sein – für alle
Seit dem 1. Juli 2025 arbeite ich als katholischer Seelsorger im Gesundheitszentrum für das Alter Entlisberg. Als ich diese Aufgabe übernahm, wusste ich, dass mich hier eine vielfältige und verantwortungsvolle Tätigkeit erwarten würde. Was ich damals noch nicht wissen konnte: wie sehr mich die Begegnungen mit den Bewohnerinnen und Bewohnern persönlich berühren und verändern würden.
Seelsorge in einem Gesundheitszentrum für das Alter hat viele Gesichter. Manchmal ist sie ein längeres Gespräch über ein ganzes Leben. Manchmal besteht sie aus wenigen Worten, einem gemeinsamen Schweigen oder einer Hand, die man für einen Augenblick hält. Es gibt Begegnungen voller Humor und Leichtigkeit, aber auch Stunden, in denen Krankheit, Einsamkeit, Abschied und Tod im Vordergrund stehen.
Zu meinen Aufgaben gehören persönliche Besuche und Gespräche mit Bewohnerinnen und Bewohnern, die Begleitung von Angehörigen sowie die Gestaltung von Gottesdiensten. Ich begleite Menschen in Krisen und in Zeiten des Abschieds, bereite Trauerfeiern mit vor und bin auch dann da, wenn sich jemand einfach ein offenes Ohr wünscht.
Nicht immer braucht es dabei viele Worte. Gerade im Alter, bei schwerer Krankheit oder bei einer Demenzerkrankung kann eine vertraute Melodie, ein Gebet, ein Blick oder eine ruhige Gegenwart mehr ausdrücken als eine lange Erklärung. Seelsorge bedeutet für mich deshalb zunächst, aufmerksam wahrzunehmen: Was braucht dieser Mensch in diesem Augenblick? Möchte er sprechen? Möchte er beten? Oder möchte er einfach nicht allein sein?
2 Gemeinsam und über konfessionelle Grenzen hinweg
Besonders wertvoll ist für mich die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit meinen beiden reformierten Kolleginnen und Kollegen im Seelsorgeteam. Wir tragen unterschiedliche kirchliche Traditionen in uns, verstehen unsere Aufgabe im Entlisberg jedoch gemeinsam: Wir wollen für alle Bewohnerinnen und Bewohner da sein.
Wir fragen nicht zuerst, welcher Konfession jemand angehört oder ob ein Mensch überhaupt religiös ist. Entscheidend ist, dass jemand Begleitung, ein Gespräch oder Unterstützung sucht. Jeder Mensch soll wissen dürfen: Hier ist jemand, der zuhört. Hier muss ich mich nicht rechtfertigen. Hier darf ich mit meinen Fragen, Hoffnungen, Zweifeln und Ängsten so sein, wie ich bin.
Diese Offenheit ist für uns keine blosse Theorie. Sie zeigt sich im Alltag: bei Besuchen auf den Wohnbereichen, in Gesprächen mit Angehörigen, in der Begleitung Sterbender und in der gemeinsamen Gestaltung des spirituellen Lebens im Haus. Wo es sinnvoll ist, vertreten und unterstützen wir einander. Dabei erleben wir die ökumenische Zusammenarbeit nicht als Nebensache, sondern als grosse Bereicherung.
Auch die Bewohnerinnen und Bewohner tragen zu dieser Vielfalt bei. Manche Menschen sind tief im christlichen Glauben verwurzelt. Andere haben sich im Laufe ihres Lebens von der Kirche entfernt. Wieder andere gehören einer anderen Religion an oder verstehen sich als nicht religiös. Sie alle haben ihre eigene Geschichte und verdienen denselben Respekt.
Seelsorge beginnt für mich genau dort: bei der Würde jedes einzelnen Menschen.
Valerio Ciriello
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