Witiker Gespräche
10.06.2026
Strategische Überlegungen zur Schweiz in einer multipolaren Welt
mit Georg Häsler, Redaktor Sicherheitspolitik der Neuen Zürcher Zeitung
Leitung und Moderation: Csongor Kozma, Direktor Paulus Akademie
Georg Häsler analysiert die sicherheitspolitische Lage der Schweiz in einer von roher Machtpolitik geprägten Welt. Er zeigt, wie die aktuellen Bedrohungen die Handlungsfähigkeit des globalisierten Kleinstaats einschränken. Als gefährlichstes Szenario für die Schweiz beschreibt er einen Zerfall der europäischen Ordnung, wie sie sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelt hat. In seiner Analyse verbindet er die geopolitischen Entwicklungen mit der Frage, wie die Schweiz ihre Eigenständigkeit und ihre demokratische Substanz in einer multipolaren Welt wahren kann und welche Anpassungen dafür notwendig sind. Georg Häsler macht deutlich, dass die innere Kohäsion des Landes und die politische Kultur ebenso entscheidend für die Sicherheit sind wie die militärischen Fähigkeiten. Er fordert eine Erneuerung der Neutralität auf der Basis der Uno-Charta und ein sicherheitspolitisches Engagement über die Landesgrenzen hinaus.
17.06.2026
Sicherheit als elementares Grund bedürfnis menschlichen Daseins
mit Prof. Dr. Udo Rauchfleisch, Psychotherapeut
Leitung und Moderation: Wojciech Kaszczyc, Pfr. Seelsorgeraum St. Anton und Maria Krönung
Udo Rauchfleisch beschreibt Sicherheit als das wichtigste Merk mal für alle Menschen - unabhängig von Kultur oder Herkunft. Er verknüpft Sicherheit zum einen eng mit der psychischen Entwicklung: Nur wer Sicherheit erfährt, kann die Gegenwart aktiv gestalten; fehlende Sicherheit in der Kindheit hingegen - etwa durch Verlust- und Mangelerfahrungen - führt zu massiven psychischen Störungen. Zum anderen stellt er fest, dass der Mangel an Sicherheit eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Gewalt spielt: Ein Mensch, der keine grundlegende Sicherheit und emotionale Zuwendung erfahren hat, entwickelt oft Gewalt als Bewältigungsmechanismus für diese inneren Defizite. Schliesslich führt ein Mangel an sozialer Sicherheit zu chronischer Einsamkeit. Demgegenüber entsteht Sicherheit durch Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Herausforderungen zu bewältigen - auch wenn keine äusseren Lösungen bereitstehen.
24.06.2026
Verantwortung im Kontext der Sicherheitsethik
mit Prof. Dr. Regina Ammicht Quinn, Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften der Universität Tübingen
Leitung und Moderation: Christine Stark, Pfrin. Ref. Kirche Witikon
Regina Ammicht Quinn war die erste, die sich mit Fragen der Sicherheitsethik systematisch befasste. Die Notwendigkeit einer Sicherheitsethik entstand aus der Tatsache, dass «Sicherheit» in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen zu einem Leitmotiv geworden ist. Dieses Leitmotiv nimmt im persönlichen wie auch dem gesellschaftlichen Leben mittlerweile die Form eines grundlegenden Werts an. Welche Folgen und Implikationen haben unterschiedliche Verständnisse von Sicherheit? Wie ist das Zusammenspiel von Kontexten und Sicherheitsbegriffen gestaltet? Wie sind Formen der politischen, gesellschaftlichen, persönlichen und technologischen Herstellung von Sicherheit zu verstehen und zu bewerten? Welche Menschen profitieren in welcher Weise von welcher Form von Sicherheit, und welche werden eingeschränkt oder sogar beschädigt? - Dies sind nur einige wenige Fragen im Kontext einer Sicherheitsethik.
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