Eucharistische Anbetung

Jeden Freitag um 18.15 Uhr wird in unserer Kirche das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt. In der Vielfalt christlicher Gebetsformen nimmt die Anbetung eine eigene Stellung ein, weil sie eng mit der Eucharistie verbunden ist – der Mitte des christlichen Lebens. In der Eucharistie werden Brot und Wein zum Leib und Blut Christi. Wir glauben, dass Jesus darin wirklich gegenwärtig ist. Diese Gegenwart bleibt auch nach der Messe bestehen, wenn die Hostien im Tabernakel für die Krankenkommunion aufbewahrt oder zur Anbetung ausgesetzt werden.
Darin liegt zugleich die Grösse und die Herausforderung: Gott ist unter uns gegenwärtig, auch wenn wir nur ein kleines Stück Brot sehen. Der heilige Thomas von Aquin bringt dieses Geheimnis im Lied „Gottheit tief verborgen“ zum Ausdruck: „Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir, doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir.“  Grundlage dieses Glaubens sind die Worte Jesu vom Letzten Abendmahl: „Nehmt, das ist mein Leib … Das ist mein Blut“ (Mk 14,22f).
Wer daran glaubt, kann Gott anbeten. Anbetung bedeutet, Gott als Schöpfer anzuerkennen und sich selbst als sein Geschöpf. In Jesus Christus ist Gott Mensch geworden und in der Eucharistie unter uns geblieben. Darum können wir mit ihm sprechen wie mit einem Freund: ihn loben, ihm danken oder ihm unsere Sorgen und Bitten anvertrauen. Wenn uns die Worte fehlen, helfen Gebete, Lieder oder das stille Verweilen vor dem Allerheiligsten.
Anbetung heisst nämlich nicht nur, Gott unsere Anliegen zu bringen. Sie bedeutet auch, einfach bei ihm zu sein. Weil Gott gegenwärtig ist, darf er unsere Zeit und Aufmerksamkeit bekommen. Darum braucht Anbetung nicht immer viele Worte. Ein Bauer aus Ars sagte einmal: „Ich schaue ihn an, und er schaut mich an.“ In dieser stillen Begegnung liegt schon ein Vorgeschmack auf das, was uns einmal in der Ewigkeit erwartet.

Pfr. Wojciech Kaszczyc

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