Mai-Maria-Muttertag

Wenn man die Schöpfung anschaut versteht jeder, dass es der einzigartige Strahl der Liebe ist, durch den all dies ausgelöst wird und zum Schwingen kommt.

Theologen haben sich ganz selten zum Thema Weiblichkeit geäußert. Bei Pierre Teilhard de Chardin SJ habe ich eine, seitens eines Priesters, mutige Behauptung gefunden: „Nichts hat sich in mir entwickelt, es sei unter dem Blick und dem Einfluss einer Frau“ (Das Herz der Materie, 1950). Was die Welt zusammenhalte, sei eigentlich das Ewig-Weibliche. In ihm offenbare sich Gottes Schöpferkraft, die Liebe, am deutlichsten. Wir hätten nur dann eine Zukunft, wenn wir dem Ewig-Weiblichen mehr als bisher in und unter uns eine Chance gäben.

Die christlich geprägte abendländische Kultur hätte vermutlich einen anderen, weniger bewegten, einen weniger auf Beherrschung und Ausbeutung gerichteten Charakter angenommen, wenn sie von der Güte, Milde und Liebe Gottes getragen gewesen wäre. Dem Ewig-Weiblichen, der göttlichen Liebe, in Frau und Mann Raum geben!

Wenn man die Schöpfung anschaut versteht jeder, dass es der einzigartige Strahl der Liebe ist, durch den all dies ausgelöst wird und zum Schwingen kommt. Diese Liebe lehrt, dass wir manchmal Wunder bewirken können; wir können fast wie Gott sein: Hände ausstrecken und Dinge schaffen, die bislang nicht da waren; wir können aus Tönen und Worten wunderbare Welten erbauen, Sätze und Lieder voll Sinn, Trost und Güte. Die Liebe lehrt, dass alle Dinge auf Erden schön sind oder schön sein können, wenn ein liebender Mensch sie betrachtet. Von liebevollen Menschen lernt man: Alle Tage rauscht die Fülle der Welt an uns vorüber, strahlt das Licht, lacht die Freude. Manchmal trinken wir uns daran satt, manchmal sind wir müde und mögen nichts davon wissen; immer aber umgibt uns ein Überfluss der Liebe. Das Herrliche an ihr ist es, dass sie unverdient kommt und niemals käuflich ist; sie ist frei und ein Gottesgeschenk für jedermann.

Dr. Liviu Jitianu

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