Hl. Augustinus, Gedenktag 28. August

Unser neuer Papst ist Augustiner. Immer wieder zitiert er den Heiligen. Augustinus war einer der ganz grossen Heiligen, und es gibt von ihm ein paar bekannte Zitate. Er hat im vierten und fünften Jahrhundert gelebt. Aber seine Sätze passen oft auch heute noch ganz genau, finde ich. „Wer singt, betet doppelt!“ Das ist so ein Satz, der von Augustinus überliefert ist, und er gefällt mir richtig gut. Ich singe sehr gerne. Wenn ich singe, dann hab ich das Gefühl, ich bete doppelt. Ich spüre meinen Glauben nicht nur im Kopf, sondern auch im Herz, im ganzen Körper, der schwingt und singt.

Es gibt noch ein anderes Zitat des heiligen Augustinus, das mir gut gefällt. „Liebe – und dann tu, was du willst!“ heisst es. Will sagen: Wenn du etwas mit Liebe anpackst, dann wird es schon richtig sein. Dann kannst du eigentlich nichts falsch machen.

Und ein drittes Zitat gibt es vom heiligen Augustinus, das mich fasziniert. Es ist nicht ganz so bekannt wie die anderen beiden Sätze und vielleicht auch etwas komplizierter und rätselhafter. „Wenn du ihn verstehst, dann ist es nicht Gott.“ Ein spannender Satz. Für mich steckt darin die Botschaft: Gott ist nicht fassbar. Er ist viel grösser und weiter, als ich denke. Wenn ich gerade meine: Jetzt hab ich verstanden, wer oder was dieser Gott ist – dann lieg ich schon wieder falsch. Dann ist das, was ich vor Augen hab, gerade nicht Gott. Das passt natürlich auch zu dem Gebot aus der Bibel: „Du sollst dir kein Bild von Gott machen!“

Noch eine Legende zum Hl. Augustinus: Vom heiligen Augustinus wird erzählt, dass er am Meer spazieren ging – damals, als er an seinem grossen Werk über die Dreifaltigkeit Gottes arbeitete. Dort beobachtete er ein kleines Kind, das ein Loch in den Sand gegraben hatte und nun mit einer Muschel in der Hand immer wieder zum Wasser lief, Wasser schöpfte, zurück rannte und das Wasser in das Loch goss. Darauf lief es wieder zum Wasser, schöpfte und wiederholte das Ganze immer aufs Neue.
Nach einiger Zeit fragte Augustinus: „Was machst du denn da?“ Und das Kind antwortete ihm: „Ich schöpfe das Meer in dieses Loch!“ Augustinus schüttelte den Kopf und sagte: „Du kleiner Narr, das ist doch ganz unmöglich. Du kannst doch das grosse, weite Meer nicht in dieses kleine Loch füllen!“ „Du lachst über mich, aber du bildest dir ein“ meinte daraufhin das Kind und blickte den grossen Gelehrten durchdringend an, „dass du die Grösse und Unergründlichkeit Gottes mit deinen kleinen Gedanken ausschöpfen kannst!?“

Othmar Kleinstein

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