ANgeDACHT - Wenn Glaube erwachsen wird

Unter dem Titel „Sakrament“ verbirgt sich leicht etwas, das nach Lehrbuch und Pflicht klingt. Doch die Firmung ist im Kern etwas anderes: Sie ist ein Moment, in dem Kirche zu jungen Menschen sagt: „Dein Glaube, deine Fragen, deine Begabungen – all das zählt. Du wirst gebraucht.“ In diesem Sakrament wird sichtbar, was Gott längst begonnen hat: seinen Geist zu schenken, der stärkt, ermutigt und in Bewegung bringt. Historisch ist die Firmung eng mit Taufe und Eucharistie verbunden. In der frühen Kirche wurden diese drei Schritte oft in einer Feier gespendet – als grosser Einstieg in das Leben mit Christus und in die Gemeinschaft der Kirche. Später wurden Taufe und Firmung zeitlich getrennt: Die Taufe meist im Kindesalter, die Firmung in einem Lebensabschnitt, in dem junge Menschen bewusst Ja sagen können – mit wachem Verstand, eigenem Herzen und der Erfahrung erster Entscheidungen. Für unsere Pfarrei bedeutet Firmung nicht nur ein schönes Fest mit Kerzen und guten Fotos, sondern einen echten Rollenwechsel. Die Jugendlichen sind nicht länger nur „mit dabei“, sie werden Mittragende. Sie dürfen und sollen Verantwortung übernehmen. Manches wird klein anfangen – beim Ministrieren, beim Mithelfen an Anlässen, oder in einer Jugendgruppe. Vielleicht ist das Schönste an der Firmung, dass sie zwei Bewegungen verbindet: Gott bekräftigt seine Zusage – „Ich bin mit dir, mein Geist begleitet dich“ – und die Jugendlichen signalisieren: „Wir wollen unseren Platz in dieser Kirche suchen und finden.“ Als Pfarrei sind wir eingeladen, diesen Weg nicht nur wohlwollend zu betrachten, sondern aktiv Räume zu öffnen, Ideen zuzulassen und Verantwortung wirklich zu teilen. Denn das Sakrament allein macht noch keine „reifen Christen“. Aber es setzt ein starkes Zeichen: Ihr seid nicht mehr nur die Zukunft der Kirche – ihr seid ihre Gegenwart.

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