ANgeDACHT - Zwischen Himmel und Alltag

Der Winter ist vorbei, der Sommer noch nicht da – und genau dazwischen liegt ein Monat, der seit Jahrhunderten Maria gehört. Wenn die Natur aufbricht, Knospen aufspringen und die Tage länger werden, ahnen wir etwas von dem „Frühling des Heils“, von dem die Tradition im Blick auf Maria spricht. Maria im Mai – das ist mehr als romantische Frömmigkeit. In der katholischen Tradition ist der Marienmonat liturgisch und geistlich tief verankert. Papst Paul VI. hat in seiner Enzyklika Mense Maio den Mai als besondere Zeit des Gebets für den Frieden hervorgehoben – Maria als jene, die uns zu Christus führt und unsere oft wortlosen Bitten mitträgt. Sie ist keine entrückte „Maienkönigin“, sondern eine Frau aus Fleisch und Blut, die glaubend durch Licht und Schatten ihres Lebens gegangen ist. Der Mai lädt dazu ein, diese marianische Spur in unserem Alltag zu entdecken: im kurzen Angelus-Gebet zwischendurch, in einer Maiandacht, im stillen Entzünden einer Kerze vor einer Marienstatue. Theologisch unterscheiden wir klar zwischen der Anbetung Gottes und der Verehrung der Heiligen – aber gerade darin wird deutlich: Maria drängt sich nicht vor Christus, sie verweist auf ihn. „Maria ist immer die Strasse, die zu Christus führt“, hat Paul VI. einmal gesagt – eine Strasse, auf der man mit ganz normalen Schuhen gehen darf, mit Einkaufstasche, Kinderwagen oder müden Gedanken im Gepäck. Und dann ist da noch ein schmunzelnder Aspekt des Marienmonats: Vielleicht erinnert uns Maria im Mai auch ganz praktisch daran, gut für uns zu sorgen. Das Leben ein wenig leichter zu nehmen. Ein Spaziergang nach Feierabend, ein Glas auf dem Balkon, ein Gespräch, das nicht schon wieder „optimieren“ muss, sondern einfach da sein darf. Maria, die Mutter Jesu, wusste, wie man Feste feiert – in Kana hat sie schliesslich nicht aufs Wasser gesetzt, sondern auf den Wein vertraut. Vielleicht ist marianische Spiritualität im Mai genau diese Mischung: tiefes Vertrauen, wache Solidarität mit den Leidenden – und ein liebevoller Blick auf die kleinen Freuden, die Gott uns täglich schenkt.

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