Abschied von St. Peter und Paul

2002 war einer meiner ersten Besuche in Zürich. Eine Freundin führte mich durch die Stadt – und auch nach St. Peter und Paul. Das sei die schönste Kirche von Zürich, meinte sie. Ich war etwas irritiert. Da gibt es doch das Grossmünster mit seiner langen Tradition, das Fraumünster mit den Chagall-Fenstern, St. Peter mit der grossen Turmuhr. Und diese Kirche St. Peter und Paul sollte die schönste Kirche sein? Sie, die 1874 als Armeleutekirche gebaut wurde, schnell und möglichst günstig (damals ja noch ohne den mächtigen Turm). 2002 hätte ich nie gedacht, dass ich acht Jahre später selbst in dieser Kirche arbeiten würde. Und dann haben mich Menschen in die Schönheit von St. Peter und Paul eingeführt: Menschen, die in die Kirche gehen, um zur Ruhe zu kommen, weil man das Tram und den Verkehr nur gedämpft hört. Menschen, die beten kommen angesichts der warmen «betigen» Atmosphäre, der vielen Farben und Eindrücke, des Holzes und des Golds, die ihnen helfen, Gottes Gegenwart zu erfahren. Menschen, die einen der vielen Gottesdienste mitfeiern, morgens in aller Herrgotts Frühe oder am Sonntag Abend, weil sie merken, dass Gott sie hierhin ruft, um auf ihn zu hören, mit ihm zu sprechen und für ihn zu singen.

Peter und Paul hat mich nicht mehr losgelassen! Ich habe viel Schönes und Faszinierendes entdeckt in dieser Kirche und ihrer spannenden Geschichte, Sichtbares und Verborgenes, vom Glockenturm bis zur Schatzkammer. Was war das Schönste? Die Menschen von St. Peter und Paul! Das Team mit dem ich arbeiten durfte, die Mitfeiernden bei den Gottesdiensten, denen ich begegnen durfte, die Gruppe vom Mittagsgebet, die Freiwilligen, insbesondere vom Regula-Verein, Lektorinnen und Lektoren, die Musikerinnen und Musiker, Sängerinnen und Sänger, die Teilnehmenden bei unseren Bibel & Bier-Runden, die Eltern und Kinder vom Eltern-Kind-Znüni und den tollen Kleinkindergottesdiensten, die Menschen, denen ich bei Trauergesprächen begegnen durfte oder mit denen ich die Trauung vorbereitete, die vielen Menschen, die ich sonst begleiten durfte, Menschen, die mir zu Freundinnen und Freunden wurden. Denn diese Menschen und auch die vielen, die ich vergessen habe zu nennen, sind die eigentliche Kirche St. Peter und Paul, das geistige Haus aus lebendigen Steinen (1 Petr 2,5), das noch schöner, noch faszinierenden ist als die Kirche aus Stein, Holz, Glas und Stahl an der Werdstrasse 63.

Dass ich an der Schönheit dieser Kirche teilhaben durfte, dafür bin ich unendlich dankbar. Dankbar bin ich diesen Menschen, nicht zuletzt aber auch Pfarrer René Berchtold, der mir immer wieder Möglichkeiten bot, mich in und für St. Peter und Paul einzusetzen. Ich gehe nun weiter, wieder zurück in meine Heimat, nach Trier, wo ich als Beauftragter für Liturgie im Bistum ab 1. Mai tätig sein werde. Ich freue mich sehr darauf – bin mir aber auch sicher, dass ich St. Peter und Paul, diese schöne Zürcher Kirche (vielleicht die schönste) vermissen werde.

Möge Gott uns alle behüten!

Ihr Martin Conrad

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