Eindrucke vom Jubiläum der Jugendlichen in Rom

Vom 27. Juli bis zum 3. August machten wir uns - Augusto Bernardi Baiocco, Daniel D’Amore, Jonathan Petry und ich - auf eine besondere Reise: eine Pilgerfahrt, die uns von Zürich nach Assisi und weiter in die Ewige Stadt Rom führte. Ziel war es, unseren Glauben zu vertiefen, Gemeinschaft mit Jugendlichen aus aller Welt zu erleben und die Orte zu besuchen, an denen der heilige Franziskus und unzählige Heilige vor uns gebetet haben.

Erste Etappe: Assisi - Im Geist des heiligen Franziskus
Am Sonntagmorgen, dem 27. Juli, ging es früh los: Um 7.30 Uhr starteten wir in Zürich, durchquerten die malerischen Landschaften Norditaliens, passierten Mailand und Florenz, bis wir schliesslich um 17.30 Uhr den Campingplatz in Assisi erreichten. Die Sonne stand tief über den Hügeln Umbriens, und schon beim Aussteigen spürten wir die besondere Ruhe, die diesen Ort seit Jahrhunderten ausstrahlt.
Unsere Unterkunft bestand aus grossen Gruppenzelten. Schnell merkten wir, wie international unsere Pilgergemeinschaft war: Rund 730 Jugendliche aus allen Kontinenten waren gekommen. Wir vier waren die einzigen Vertreter aus der Schweiz - eine kleine Delegation, aber mit grosser Freude im Herzen.
Noch am Ankunftstag ging es gemeinsam mit der deutschsprachigen Gruppe in die Basilika des heiligen Franziskus. Die feierliche Eröffnungsmesse liess uns spüren: Wir sind Teil einer weltweiten Kirche. Die Basilika selbst ist ein architektonisches Juwel: In der Unterkirche ruht der heilige Franziskus in der Grabkammer, darüber erhebt sich die romanische Unterkirche mit ihren schlichten, kraftvollen Linien, und schliesslich die Oberkirche im strahlenden gotischen Stil - ein Ort, an dem Himmel und Erde einander nahe sind.

Gebet, Gemeinschaft und Wanderung
Der Montag begann früh: Um sechs Uhr standen wir auf, um uns auf die Wanderung zum Eremo delle Carceri zu begeben. Dieser Ort, hoch in den Wäldern des Monte Subasio gelegen, war für Franziskus ein Rückzugsort zum Gebet und zur Stille. Inmitten uralter Bäume und schmaler Steinpfade wurde uns klar, wie sehr der heilige Franziskus die Einsamkeit suchte, um Gott näher zu sein.
Nach einem einfachen Mittagessen kehrten wir zum Campingplatz zurück und hatten den Nachmittag frei. Am Abend trafen wir uns in gemischten internationalen Gruppen erneut in der Basilika. Dort sprachen wir offen über persönliche Brüche, Versagen und Zweifel im Leben - Gespräche, die nicht nur Mut erforderten, sondern auch ein tiefes Vertrauen ineinander.
Der Dienstag war ein Tag voller Bewegung: Gemeinsam wanderten wir von Assisi hinunter zur Portiunkula, jener kleinen Kirche in Santa Maria degli Angeli, die Franziskus besonders liebte und in der er seine letzten Stunden verbrachte. Von dort ging es weiter nach Rivotorto, wo wir eine Katechese über die „vollkommene Freude“ hörten. Ein Ehepaar berichtete ehrlich und tief bewegend von seinem gemeinsamen Glaubensweg - ein Zeugnis, das uns allen lange im Gedächtnis bleiben wird.

Rom - Die Ewige Stadt und das Zentrum der Kirche
Am Donnerstag nach dem Mittagessen packten wir unsere Rucksäcke und machten uns zu Fuss auf den Weg zum Bahnhof. Mit dem Zug ging es durch die italienische Landschaft nach Rom. Am Abend spazierten wir durch die beleuchteten Strassen Roms: Für Jonathan, der zum ersten Mal hier war, war es ein bewegender Moment, das Kolosseum und die Fontana di Trevi zu sehen. Der Zauber der Stadt bei Nacht liess uns alle staunen.
Freitagmorgen feierten wir die Heilige Messe, bevor wir gemeinsam mit unserem Pfarrer Wojciech einige der bedeutendsten Kirchen Roms besuchten.

Der Samstag wurde zu einem geistlichen Höhepunkt: Wir durchschritten alle Heiligen Pforten der vier päpstlichen Basiliken Roms - ein Pilgerweg, der uns nicht nur körperlich forderte, sondern vor allem innerlich tief berührte.
Zunächst betraten wir den Petersdom im Vatikan, die grösste Kirche des Christentums, in der das Grab des heiligen Apostels Petrus verehrt wird. Der Blick auf die gewaltige Kuppel und das Licht, das durch die hohen Fenster einfiel, liess uns ehrfürchtig staunen.
Von dort führte uns der Weg zur Lateranbasilika, der San Giovanni in Laterano, der Kathedrale des Papstes als Bischof von Rom. Ihre Inschrift erinnert daran, dass sie „die Mutter und das Haupt aller Kirchen der Stadt und des Erdkreises“ ist.
Anschliessend besuchten wir die Basilika San Paolo fuori le Mura, erbaut über dem Grab des heiligen Paulus. Die langen Säulenreihen und das goldene Mosaik über dem Altar liessen uns die Grösse und Bedeutung dieses Apostels erahnen.
Den Abschluss bildete Santa Maria Maggiore, die grösste Marienkirche Roms, in der sich die Reliquien der Krippe Jesu befinden. Vor diesem Zeichen der Menschwerdung Christi verharrten wir in stillem Gebet.
Als Abschluss dieses intensiven Tages gönnten wir uns ein italienisches Gelato, das uns nach so vielen Kilometern und geistlichen Eindrücken doppelt gut schmeckte. Am Abend sahen wir gemeinsam den Gebetsabend, der live auf YouTube übertragen wurde, und liessen so den Tag in Gemeinschaft ausklingen.

Der Höhepunkt: Begegnung mit dem Papst
Am Sonntag gingen wir früh zum Tor Vergata, um an der grossen Papstmesse teilzunehmen. Schon um neun Uhr hatten wir einen Platz weit vorne gefunden. Tausende Pilger aus aller Welt sangen, beteten und feierten gemeinsam die Eucharistie - inmitten von ihnen der Papst Leo XIV, dessen Worte der Ermutigung und des Friedens uns tief bewegten.
Nach der Messe machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof Roma Termini, von wo aus wir die Heimreise antraten. Am Abend erreichten wir Zürich - erschöpft, aber dankbar, erfüllt von Erinnerungen, die uns im Glauben stärken werden.
Diese Pilgerreise war mehr als nur eine Reise: Sie war eine Schule des Glaubens, eine Erfahrung weltweiter kirchlicher Gemeinschaft und eine Einladung, wie der heilige Franziskus mit Freude und Einfachheit Christus nachzufolgen.
Von Miguel Bernardi Baiocco

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