Mariä Himmelfahrt – Verheissung für Leib und Seele

Kürzlich war ich in meiner Heimat im Erzbistum Hamburg unterwegs, als ich auf eine Darstellung stiess, die mich erneut faszinierte: Jesus als Apotheker.

Meist sehen wir Jesus eher als Arzt, der Wunder wirkt und Kranke heilt. Doch dieses Bild weckt grosse Erwartungen – und kann ebenso grosse Enttäuschungen hervorrufen. Was ist, wenn wir krank sind und nicht gesund werden? Wenn das Wunder ausbleibt?

Gerade deshalb finde ich die Darstellung Jesu als Apotheker so interessant. Er steht – bildlich – wie hinter einer Theke („Apo-Theke“). Nicht immer heilt er unser Leid unmittelbar. Aber er verwahrt Heilmittel und stellt sie uns zur Verfügung. Wir selbst sind gefragt, ob und wie wir sie annehmen. Jesus schickt sie uns auf den Weg: durch Begegnungen, Worte, Zeichen und Dinge, die etwas in Bewegung bringen.

Die Heilmittel für unsere Seele empfangen wir in der Kirche – in den Sakramenten, im Wort Gottes, im Gebet. Und auch für unseren Körper hält Jesus vieles bereit – in der Schöpfung.

Der Naturheilkundler und Pfarrer Sebastian Kneipp sagte: „Die Natur ist die beste Apotheke.“ Er heilte sich selbst von Tuberkulose – allein durch natürliche Mittel. 1852 wurde er Pfarrer und half später vielen während einer Choleraepidemie. Seine Methoden waren den Medizinern ein Dorn im Auge – er wurde angezeigt und zu einer Geldstrafe verurteilt. Ironischerweise fragte ihn derselbe Richter später um Rat – und wurde durch Kneipps Kur geheilt.

1946 wurde auch Maria von Treben durch ein Heilkraut gesund: das Schöllkraut, das sie von Hautausschlag und Typhus heilte. Ich sah dieses Kraut einmal in Lüneburg – es wuchs aus den Mauern der St. Michaeliskirche. Ein starkes Symbol: Aus der Kirche wächst Heil. Jesus als göttlicher Apotheker hält Heilmittel für Leib und Seele bereit, denn beides gehört untrennbar zusammen.

Die heilige Hildegard von Bingen sagte: „Die Augen des Menschen sind die Fenster der Seele.“ Und Teresa von Avila riet: „Tu deinem Leib des Öfteren etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.“

An Mariä Himmelfahrt feiern wir, dass Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde. Auch uns gilt diese Verheissung: Wir werden mit Leib und Seele auferstehen. Das bekennen wir jeden Sonntag im Credo: „Auferstehung der Toten“, wörtlich „carnis resurrectionem“, also Auferstehung des Fleisches. Jesus selbst ist mit verklärtem Leib auferstanden – nicht als Gespenst, sondern als Mensch in Vollendung.

Es heisst, Heilkräuter entfalten um Mariä Himmelfahrt ihre grösste Kraft. Wenn sie gesegnet werden, erinnern sie uns: Jesus sorgt auch heute ganzheitlich für uns – wenn wir aufmerksam für seine Heilmittel bleiben.

C.Giovine

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