Fastenzeit – Zeit der sehnsüchtigen Erwartung
Wer verbindet schon mit dem Wort „Fastenzeit“ etwas Angenehmes – doch so freudlos, wie das Wort tönt, ist diese Zeit gar nicht. Im Gegenteil. Jeder kennt die Erfahrung, wie gut uns Entschleunigung tut, ganz zu schweigen von bewusstem Verzicht auf ein Zuviel, das unsere – manchmal unbestimmte – Sehnsucht trotz seiner Überfülle nicht zu stillen vermag.
Doch es geht in der vierzigtägigen Vorbereitungszeit auf das Osterfest nicht ums Verzichten um des Verzichtens willen. Verzicht ist kein Selbstzweck, sondern dient dazu, unsere seelischen Kräfte zu stärken und unsere Sehnsucht wachzuhalten nach dem Heil der Welt. Der Heilige Benedikt lehrt, dies „in der Freude des Heiligen Geistes» zu tun, was auch der Mahnung Jesu in der Bergpredigt entspricht: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. … Du aber salbe deinen Kopf, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein [himmlischer] Vater, der auch das Verborgene sieht» (Mt 6,16-18). Wir streben hier sicher keine asketischen Spitzenleistungen an, doch wir brauchen und nehmen uns Zeiten und Orte des Rückzugs vom Alltag, Zeiten und Orte der Vorbereitung auf besondere Ereignisse.
Die Zahl Vierzig ist im biblischen Kontext eine Zeit des Heils, immer mit Umkehr und Neubeginn verbunden. Gott führte das Volk Israel vierzig Jahre durch die Wüste, aus Unterdrückung in die Freiheit, und im Evangelium des ersten Fastensonntags hören wir von der Wüstenzeit Jesu, in der er dem Versucher erfolgreich widerstanden hat. In diesem Sinn ist die österliche Busszeit eine persönliche Wüstenzeit, in der wir die Nähe Gottes im eigenen Leben suchen können.
Vielleicht zählen Sie jetzt nach, wie man in diesen Wochen auf die Zahl vierzig kommt? Vom Aschermittwoch bis zur Osternacht vergehen mehr als vierzig Tage, doch die Sonntage der Fastenzeit werden nicht mitgezählt, denn die Auferstehung Jesu wird an jedem Sonntag des Jahres gefeiert, auch in der Fastenzeit. Nehmen wir sie in Anspruch – und staunen wir, was diese Zeit mit uns machen will.
hk
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