Zürich regional

In Experimentierfeldern unterwegs

Hinhören auf Entwicklungen in Gesellschaft und Kultur und Angebote nicht «von oben herab», sondern gemeinsam erarbeiten – das hat Thomas Münch 37 Berufsjahre in der Kirche gelebt. 

 «Wir müssen als Kirche auf das reagieren, was da ist», das sagt Thomas Münch. Der Zürcher Theologe sass in allen Gremien, in denen er gestaltend mitwirkte, immer dort, «wo auch eine Frau sitzen könnte»: weil er nicht Teil der «per se männlichen Kirchenhierarchie» ist. Sondern nicht geweihter Seelsorger, verheiratet, Familienvater. Geprägt wurde die Haltung des «Hinhörens» während seines Theologie-Studiums in Tübingen, wo die Hauptfrage war: «Wie entwickelt sich die Gesellschaft und wie müssen wir theologisch darauf antworten?» Vertieft hat er das Thema während seines Sabbaticals 2014, wo er sich dem Thema «Pastoral im urbanen Raum» widmete. Dort wurde ihm klar: «Wir müssen nicht als Pfarrei oder Seelsorgeteam überlegen, was wir anbieten wollen, sondern die Angebote mit den Menschen zusammen entwickeln, die diese Angebote besuchen würden.» Begeistert erzählt Thomas Münch vom Workshop, den er mit möglichen Interessierten und der Hochschule für Angewandte Wissenschaft durchführen konnte. Ziel war es, spirituelle Orte in der Stadt Zürich zu finden, wo Menschen unter 40 Jahren und ohne kirchliche Bindung spirituelle Erfahrungen machen können. Auch wenn nicht alle Projekte zum Fliegen kamen: «Dort habe ich extrem viel darüber gelernt, wie in Dialoggruppen etwas entwickelt wird.» 

Nebst dem langjährigen Engagement in der Pfarrei Dreikönigen Enge und als Vorstandsmitglied und später Mitglied der Leitung im Dekanat Zürich Stadt hat es ihn deshalb immer wieder in kirchliche Experimentierfelder gezogen: In «Kirche urban», als Seelsorger in der Sihlcity-Kirche, im Vorstand des katholischen Eheseminars, im Projekt «Haltestille Bahnhofstrasse» und zuletzt in der ökumenischen Predigerkirche. Die Kirche der Zukunft sieht er in ökumenischen Quartierkirchen: Alle Kirchen eines Quartiers entscheiden sich für einen gemeinsamen Standort und bieten dort gemeinsame, aber auch konfessionell geprägte Kirchenerfahrungen und Gemeinschaftserlebnisse an. Für den kommenden Lebensabschnitt nach der Pensionierung hat er klare Ziele. Mehr Zeit für die Familie: für spontane Unternehmungen mit seiner Frau und einen Enkeltag pro Woche. Mehr Zeit für die Musik: der klassisch und im Jazz ausgebildete Klarinettist und Saxophonist möchte musikalisch wieder auf den Stand kommen, den er vor 40 Jahren erreicht hatte. Dazu ein freiwilliges Engagement: zum Beispiel in der Nachbarschaftshilfe in seinem langjährigen Wohnquartier Zürich Wollishofen.