Zürich regional

«Ich mag es, Welten zu verbinden»

Adrienne Hochuli, Leiterin Fachbereich Theologie und Religion, Paulus Akademie

Während meines Studiums war ich oft in einem Teeladen, wo wir bei einer Tasse Tee lernten. An einer Wand stand: «Man trinkt Tee, damit man den Lärm der Welt vergisst.» Seither pflege ich dieses Ritual. Ich bin lebendig, mag Begegnungen und interessiere mich für vieles. Gleichzeitig brauche ich bewusste Rückzugsmomente. Diese finde ich vor allem beim Schwimmen, wo ich fast jeden Tag in die Stille des Wassers eintauche und mich nur auf Bewegung und Atem konzentriere. Auch ein anstrengendes Training wirkt auf mich regenerierend. Mich interessiert, was Menschen existenziell bewegt. Nach drei Jahren Medizinstudium begann ich, in Bern reformierte Theologie zu studieren. Hier merkte ich, dass ich katholischer war, als ich dachte. Oft entdeckt man das Eigene erst in der Begegnung mit anderen. In Luzern schloss ich in katholischer Theologie ab und nahm aus beiden Welten das Beste mit. Es folgten Pfarreiarbeit und wissenschaftliche Tätigkeit in Chur und Luzern, darunter meine medizinethische Dissertation. Auch darin verbinden sich zwei Welten. Dann erkrankte ich schwer an Post-Covid. Über drei Jahre erholte ich mich nur langsam. Nach wie vor muss ich meine Energie einteilen. Die Krankheit war für mich auch eine Existenzerhellung: Vieles hat sich verändert, auch mein beruflicher Weg. Die Dissertation konnte ich krankheitsbedingt bisher nicht abschliessen. An der Paulus Akademie habe ich einen Zwischenraum gefunden: nicht rein akademisch, nicht rein kirchlich, sondern einen Ort, der Welten verbindet – Menschen wie Themen. Das Schönste ist die Begegnung mit Gästen, die bei einer Veranstaltung unterschiedliche Perspektiven auf ein Thema mitbringen. Es ist toll, zu erleben, wie aus diesem Miteinander etwas Neues entsteht. Für solche Prozesse öffne ich gerne Räume.