Segen für Spinnen und Gesang an die Sonne

Die Feier zum 800. Todestag von Franziskus von Assisi verwandelte das Zürcher Grossmünster am 4. Oktober in einen Raum für Frieden, Schöpfung und Spiritualität. Und des ökumenischen Miteinanders der Konfessionen: Auch Bischof Bonnemain feierte in der Wirkungsstätte des Zürcher Reformators Zwingli mit.

Die Feier im Grossmünster brach konventionelle Grenzen auf - weg von der Frontalpredigt, hin zu einem offenen Erfahrungsraum - und widmete sich drängenden Fragen zur Umwelt, Armut und Zusammenleben. Zu den Besonderheiten gehörten acht Stationen im Kirchenraum und Kreuzgang, die zum Verweilen, Hören, Beten, Singen, Nachdenken und zur Begegnung einluden. Somit wechselten die Besucherinnen und Besucher von der passiven Zuhörerrolle in ein aktives Erleben.

Begrüsst wurden sie zu Beginn vom Grossmünsterpfarrer Christian Walti, Bischof Joseph Maria Bonnemain und Pfarrerin Bettina Lichtler. Unter anderen waren Imam Muris Begovic, Pfarrerin Nicole Becher, Bruder Mathias Müller und Priester Vladimir Mihailović vertreten: ein starkes Zeichen für die interreligiöse und ökumenische Geschwisterlichkeit.

Hoch hinauf ging es zum Sonnengesang auf der Empore. Bruder Mathias von der Franziskaner-Gemeinschaft Zürich machte Franziskus im Klang erfahrbar und probte mit vielen Interessierten den von Franziskus überlieferten Lobgesang.

In der Sakristei erzählte Barbara Leuthold vom Sozialwerk Pfarrer Sieber, wie sie zum Pfuusbus gestossen ist und was sich in den letzten zehn Jahren verändert hat. Waren die Gäste zu Beginn vor allem drogen- und alkoholsüchtig, sind es heute auffallend mehr psychisch Erkrankte, was die Betreuenden vor neue Herausforderung stellt. Ein Obdachloser sagte einmal zu Barbara Leuthold: «Auf der Gasse stirbst du nicht an Drogen oder Alkohol, sondern an Einsamkeit!» Ein Satz, den sie nie vergessen hat und sie darin bestärkt, die besondere Atmosphäre des Pfuusbusses auch unter den veränderten Bedingungen immer wieder aufs Neue zu schaffen und zu pflegen.

In der Stille der Krypta lud Bischof Joseph Maria Bonnemain zur Schweigemeditation ein. Zusammen Schweigen, das vorherige Gebet auf sich wirken lassen, Innehalten und im Hier und Jetzt verweilen. Einfach einmal einen Gang herunterschalten und zur Ruhe kommen.

Etwas aktiver und lauter ging es im Kreuzgang zu und her. Rund 20 Hunde und drei Hausspinnen wurden von Pfarrer Lars Simpson und Pfarrerin Cornelia Camichel gesegnet. Auch Tele Züri war vor Ort und berichtete. Pfarrerin Camichel zeigte sich zum Schluss tief berührt davon, wie bedingungslos diese Menschen ihren Alltag mit ihren Tieren teilen und wie tief ihre emotionale Verbindung ist.

Die Brücke zwischen der Realität des Klimawandels und der franziskanischen Spiritualität der Bewahrung der Schöpfung schlug Meteorologe Thomas Bucheli. Der langjährige Wetter- und Klimaexperte wirkte aktiv an der Feier mit und brachte sich im Dialog mit Markus Staudinger und Pfarrerin Bettina Lichtler ein. Als Beauftragter für Nachhaltigkeit der Katholischen Kirche im Kanton Zürich gestaltete Staudinger die inhaltliche Brücke zur ökologischen Verantwortung. Er brachte die kirchliche Nachhaltigkeitsstrategie und das franziskanische Ideal der Bewahrung der Schöpfung als konkretes, alltagsnahes Thema in das Programm ein.

Imam Muris Begovic verdeutlichte gegen Ende noch einmal, wie wichtig der interreligiöse Dialog für ihn persönlich ist und dass dieser unbedingt weitergeführt werden soll. Vor allem in Bezug auf die aktuellen Konflikte, Krisen und Kriege sei es am Schluss wichtig, sagen zu können, dass wir auf der Seite der Menschlichkeit stehen.

Dem konnte auch Bischof Bonnemain zustimmen und schloss mit seinem Bischofs-Motto: «Der Mensch ist der Weg der Kirche».