Zürich regional

Wo Kirche demokratisch ist

Wer in der katholischen Kirche im Kanton Zürich mitreden will, kann das in der Synode tun. 2027 finden Erneuerungswahlen statt.

Die römisch-katholische Kirche in der Schweiz weist eine Besonderheit auf: Sie ist vielerorts als «duales System» organisiert. Neben den kirchenrechtlichen Strukturen – der Pfarrei und dem Bistum – existiert die staatskirchenrechtliche Seite: die Kirchgemeinde und die Kantonalkirche. Diese staatlich verordnete Struktur verlangt, dass Kirchgemeinden ihre Behördenmitglieder wählen und ihre Vertretung in das kantonale Kirchenparlament entsenden, in die Synode der katholischen Kirche im Kanton Zürich. In den Kirchgemeinden finden nun Erneuerungswahlen für die nächste Amtsdauer der Synode statt. 106 Synodale – so werden die Kirchenparlamentarierinnen und -parlamentarier genannt – vertreten dann die 74 Zürcher Kirchgemeinden. 

Peter Schnider ist Mitglied der Geschäftsleitung der Synode. Der Jurist hat vor seiner Pensionierung bei der kantonalen Verwaltung gearbeitet und bringt somit Fachwissen für die Parlamentsarbeit mit. Dieses ist von Vorteil, aber keine Voraussetzung. «Für das Amt braucht es vor allem Bereitschaft, sich für kirchliche Themen zu engagieren und sich informiert im Parlament einzubringen», sagt Schnider. Die Synode ist die Gesetzgeberin, prüft und genehmigt das Budget. Sie wählt die wichtigsten Funktionen in der Kantonalkirche und bewilligt bedeutende finanzielle Beiträge etwa für Spezialseelsorge, Jugend- und Erwachsenenbildung, soziale Institutionen und kirchliche Hilfswerke im In- und Ausland.

«Vor der Synodensitzung, die vier Mal im Jahr stattfindet, dürften die Synodalen ein Wochenende damit verbringen, die Informationen zu den Geschäften zu lesen», schätzt Peter Schnider. Die Synodalen sind jedoch nicht allein mit der Vorbereitung. In den vorausgehenden Fraktionssitzungen treffen sie sich im kleineren Kreis zur Vorbesprechung. Die Diskussionen werden dann in der Synodensitzung fortgesetzt. Den Synodalen stehen zudem alle parlamentarischen Instrumente zur Verfügung. Peter Schnider wünscht sich, dass diese noch intensiver genutzt werden, und nennt die «Motion Zimmerli» als gutes Beispiel. Die Synodale Monika Zimmerli forderte 2023, dass das Privatleben der kirchlichen Angestellten privat bleibe und keinen Einfluss mehr auf Anstellung oder Kündigung habe. Diese Motion und ihre Umsetzung in der geänderten Anstellungsordnung sind ein Beispiel dafür, wie sich die Kantonalkirche gesellschaftspolitischer und sozialethischer Themen annimmt. Dazu gehört auch die Gleichberechtigung der Geschlechter, unabhängig von Zivilstand und Lebensform.

Warum lohnt es sich, in der Synode mitzuarbeiten? «Gemeinschaft statt Individualismus, Nächstenliebe statt Eigennutz, gesellschaftliches Engagement statt Abgrenzung» lautet die Antwort von Peter Schnider. Für diese Werte möchte er sich als Synodaler einsetzen.