Ein Kind drückt einen Knopf, eine ältere Frau schaut über seine Schulter

Kino unter Leuten

«Moscas»

Olga wohnt in einem grossen Wohnblock in Mexiko-Stadt. Wie in einem Adlerhorst blickt sie über die Stadt – fernab vom quirligen Leben. In ihrer Wohnung ist es so ruhig, dass die Rentnerin das Summen einer Fliege im Nebenzimmer hört. Wenn Olga vor dem Lift jemandem begegnet, nimmt sie lieber die Treppe. Olga mag keine Menschen, aber aus Gründen. Doch dann entzündet sich ein Nagel an ihrem Fuss und sie braucht eine kleine Operation. Die 3000 Pesos dafür kann Olga jedoch nicht bezahlen, und deshalb beschliesst sie, ein Zimmer ihrer Wohnung unterzuvermieten.

Tulio meldet sich auf Olgas Inserat, weil seine krebskranke Frau im benachbarten Spital eine Chemotherapie bekommt. Der Weg nach Hause wäre zu weit, auch für seinen neunjährigen Sohn, den Tulio seiner Vermieterin verheimlicht. Vater und Sohn verbringen die Zeit zwischen den Krankenbesuchen auf Spielplätzen und in Imbissstuben. Wenn Olga die Nachttischlampe ausschaltet, schleichen sie sich ins Zimmer.

Doch dann kommt es, wie es kommen muss: Olga merkt, dass auch Christian in ihrem Zimmer wohnt. Sie gibt den beiden zwei Tage Zeit, um eine neue Bleibe zu finden, und fordert rückwirkend die doppelte Miete. Tulio nimmt deshalb einen Job an, und Christian bleibt allein im Zimmer zurück – dort fasst er einen verbotenen Plan. Wie es dazu kommt, dass ausgerechnet Olga ihm bei dessen Umsetzung hilft, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Regisseur Fernando Eimbcke erzählt seine Geschichte in Schwarz-Weiss. Auch sonst wirkt der Film reduziert: wenige Figuren, einfache Dialoge, klare Symbolik. Das Spiel des ungleichen Duos – der bärbeissigen Olga und des schlitzohrigen Christian – ist herzerwärmend.

«Moscas» erzählt eine traurige Geschichte mit einer Heiterkeit, die sie der Figur des Jungen verdankt. Sein Blick auf die Welt birgt eine Poesie, mit der sich die Schicksalsschläge ertragen lassen. 

—«Moscas» von Fernando Eimbcke
Mexiko 2026
mit Teresita Sánchez, Bastian Escobar, Hugo Ramírez
ab 8. Oktober im Kino

Lust mit uns zusammen den Film des Monats «Moscas» anzuschauen?
Wir gehen am Mittwoch, 14. Oktober gemeinsam ins Kino.
Genaue Zeit und Ort werden noch bekanntgegeben. Tickets besorgen alle selbständig.

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