Wenn im Umfeld jemand gestorben ist, wissen heute viele nicht mehr: Was kann ich sagen? Was darf ich fragen? Kann ich irgendwie behilflich sein? Claudia Zürcher-Künzi, die Geschäftsleiterin des Berner Verbands für Palliative Care, findet: «Wir brauchen wieder einen natürlichen Umgang mit dem Tod.» Deswegen hat sie bereits im Jahr 2024 in Bern initiiert, was nun erstmals nach Zürich kommt: die Aktionswoche «endlich.menschlich». Eine Woche lang stellen Veranstaltungen das eigene Sterben, den Tod und die Trauer ganz bewusst in den Mittelpunkt. «Wenn wir mitten im Leben darüber sprechen können, bekommt unser Leben mehr Tiefe und mehr Gehalt», ist Claudia Zürcher-Künzi überzeugt. Auch Kirchen öffnen dafür ihre Türen.
Zum Beispiel die Pfarrei Dreikönigen in Zürich-Enge. Sozialarbeiterin Nicola Siemon und Pfarreileiterin Ute van Appeldorn laden zu einem Samstag-Nachmittag, an dem es um die Begleitung von Angehörigen in ihrer letzten Lebensphase geht – und zwar aus und in der Ferne. Ausgangspunkt ist da zunächst die eigene Betroffenheit, wie Ute van Appeldorn erzählt: «Im Seelsorgeteam haben bis auf zwei Personen alle ihre Angehörigen in der Ferne wohnen.» Sie gehört selbst zu diesen. «Können wir als Kirche zusammen herausfinden, wie das geht: Verbindung über die Entfernung zu spüren? Spiritualität bietet da eine grosse Chance.» Sie wünscht sich, dass an dem Nachmittag die verschiedensten Menschen zusammenkommen, sich austauschen und erkennen: «Wir haben einander viel zu geben.» Auch einen Impuls wird sie vorbereiten, der aus ihrer Erfahrung schöpft: der spirituellen Verbundenheit über die Ferne hinweg. «Für mich ist spürbar, dass das Göttliche Brücken baut zwischen Menschen.» Sie weiss gleichzeitig, dass Verbundenheit gut auch ohne Glaubenshintergrund möglich ist. Und in einer multireligiösen Gesellschaft auch zwischen Menschen verschiedener Traditionen. Allerdings: «Wir müssten mehr voneinander wissen – und dafür müssen wir mehr miteinander sprechen.» Dafür soll es Gelegenheit geben. Offiziell wird an dem Nachmittag neben Deutsch auch Englisch gesprochen.
Für Claudia Zürcher-Künzi ist klar, dass spirituelle Fragen vom Lebensende her ganz wichtig werden. Darum schätzt sie die Zusammenarbeit mit Menschen aus Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie den Austausch. «Ursprünglich wollten wir den Anlass ‹Woche zum Leben mit dem Ende› nennen», erinnert sie sich. Da hätte jemand aus der Kirche gesagt: «Aber es ist ja nicht das Ende – warum nennen wir es nicht Tod?» Diese kleine Episode zaubert ihr ein Lächeln ins Gesicht: «weil wir gemeinsam wieder Sprache finden für das Unaussprechliche.»
—Aktionswoche «endlich.menschlich»
24. Oktober bis 1. November 2026
www.endlich-menschlich.ch
Veranstaltung in der Pfarrei Dreikönigen
Impulse zur Begleitung von Angehörigen aus der Ferne
31. Oktober, 14.00 bis 17.00 Uhr
Anmeldung bis 26. Oktober an
sekretariat@dreikoenigen.ch