Die Katholische Kirche im Kanton Zürich setzt sich für Klimaschutz und Ökologie ein. Dazu hat sie eigens eine Strategie entwickelt. Das Zürcher Modell für mehr Nachhaltigkeit in der Kirche definiert sieben Handlungsfelder: Biodiversität, Schöpfungsspiritualität, Energie, Abfall, Konsum, Finanzen und Mobilität. Die Strategie «Nachhaltig Kirche leben» ist seit 2021 in Kraft und richtet sich an alle Organe und Stellen der Kirche, insbesondere auch an die Kirchgemeinden. Sie sind für vieles verantwortlich, was ökologisch relevant ist.
In den letzten Jahren sei bei den Kirchgemeinden viel in Bewegung gekommen, sagt Markus Staudinger. Er ist seit April 2025 Nachhaltigkeitsbeauftragter der Kantonalkirche. 2024 hat die Zürcher Landeskirche mit dem Forschungsbüro Infras alle 74 Kirchgemeinden zu ihrem ökologischen Engagement befragt. «Es gibt praktisch keine Kirchgemeinde, in der nichts läuft», sagt Staudinger zu den Ergebnissen. Das habe ihn überrascht, obschon er nicht herauslesen könne, ob eine Kirchgemeinde aufgrund der Strategie aktiv geworden sei. Der Umweltexperte fasst zusammen: Fast überall werde darauf geachtet, dass keine Lebensmittel im Müll landen. Der Abfall werde getrennt. An Festen komme Mehrweggeschirr auf den Tisch. Gut die Hälfte der Kirchgemeinden gestalte die Fastenzeit mit einem Bezug zur Schöpfung. Zudem würde bereits rund ein Drittel der Gebäude mit erneuerbarer Energie beheizt. Seit dem 1. September 2022 müssen die Kirchgemeinden per Gesetz beim Ersatz einer Heizung auf erneuerbare Energien umstellen, sofern dies technisch und finanziell möglich ist.
Trotz allem gebe es aber «Unterschiede im Tempo», stellt Staudinger fest, wobei die Gründe meist struktureller Natur seien. «Die Kirchenpflegen arbeiten im Milizsystem. Nachhaltigkeit konkurriert dort mit Themen wie Liegenschaften, Finanzen, Personal und Mitgliederentwicklung.» Erst 30 Prozent der Kirchgemeinden hätten bislang die Verantwortlichkeiten für das Nachhaltigkeitsmanagement geklärt. Was sich auf das ökologische Engagement auswirkt. Beim Gebäudebestand setzten zudem der Denkmalschutz und lange Investitionszyklen enge Grenzen. Ein neues Heizsystem oder der Einbau einer Photovoltaikanlage «lassen sich nicht beliebig vorziehen, sondern erfolgen im Rhythmus anstehender Sanierungen», erklärt der Experte. Generell folge das ökologische Engagement der Machbarkeit, nicht der Klimawirkung. «Der grösste Hebel liegt bei den Gebäuden», so Staudinger. Genau dort sei aber am wenigsten passiert. Das wundert ihn jedoch nicht, denn ein Heizungsersatz koste schnell einmal mehrere Hunderttausend Franken.
Als eigentliches Problem sieht Staudinger nicht fehlenden Willen, sondern fehlende Zuständigkeit und Strukturen. Erst 30 Prozent der Kirchgemeinden hätten bislang die Verantwortlichkeiten für das Nachhaltigkeitsmanagement geklärt. Was sich auf das ökologische Engagement auswirkt. «Ohne zuständige Person versanden Vorhaben unabhängig von der Motivation», sagt Staudinger. Darum hat sich der Nachhaltigkeitsexperte zum Ziel gesetzt, alle 74 Kirchgemeinden bis 2027 persönlich zu besuchen. Dabei gilt das Prinzip «Beziehungspflege vor Fachberatung». Bei einem lockeren Gespräch und einem Gebäuderundgang soll zunächst eine Beziehung aufgebaut werden. Erst in einem weiteren Schritt soll eine Fachberatung stattfinden, in der konkrete Massnahmen definiert werden. Angesichts der vorhandenen Ressourcen sei dies eine grosse Aufgabe, sagt Staudinger. Zuversichtlich mache ihn aber, dass dabei ein Netzwerk entsteht. «Ich bin dabei, mir die Kontakte zu den Kirchgemeinden Schritt für Schritt zu erschliessen – und wo Vertrauen da ist, folgt auch das Handeln», zeigt sich der Experte überzeugt.