Zürich regional

«Mein Herz schlägt ökumenisch»

Lars Simpson, christkatholischer Pfarrer, Haltestille Bahnhofstrasse

Ich bin ein Netzwerker und liebe Kooperationen. Als wir vor mehr als 10 Jahren die ökumenisch getragene «Haltestille Bahnhofstrasse» ins Leben riefen, kam ich auf die Idee, die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) mit ins Boot zu holen. Die Studierenden lieben es, im Einklang mit dem Kirchenraum zu musizieren. Die Musik schafft eine besondere Atmosphäre, worin Text und Stille Raum bekommen. In den 20 Minuten, immer am Donnerstag ab 12.15 Uhr, wechseln sich Musik, Stille und ein Impulstext ab. Die im Chorraum hängende Kreuzigungsgruppe wirft einen besonderen Schatten, den die Besuchenden als den «umarmenden Christus» empfinden. Das bauen wir bewusst mit ein.  Mein Herz schlägt ökumenisch: Seit sechs Jahren singt das Bach Collegium Zürich bei uns  Kantaten, während eine Pfarrperson der Evangelisch-Lutherischen Kirche diese einführt und theologisch einordnet. Mit der Anglikanischen Kirche in Zürich laden wir zur Chorvesper («Evensong») in die Kirche St. Andrew’s, ins Grossmünster und in die Augustinerkirche ein. Alle zwei Jahre führen Contemporary-Dance-Studierende der ZHdK zur vierhändig und vierfüssig gespielten Orgel in der Augus­tinerkirche eine Choreographie auf – ein eindrückliches Erlebnis. Ich selber trainiere in einer Contemporary-Dance-Gruppe für Männer. Da kann ich mich über den Körper ausdrücken, während der Pfarrberuf ja viel mit Worten und Kopfarbeit zu tun hat. Meine Herkunft ist grenzüberschreitend: Mein Vater stammte aus Neuseeland, meine Mutter war Deutsche. Aufgewachsen bin ich in England. Zum Priester geweiht wurde ich in der Anglikanischen Kirche, die mit der christkatholischen Kirche in voller Kirchengemeinschaft steht. Nun lebe ich zusammen mit meiner Familie in Zürich, wo ich Wurzeln geschlagen habe.