Tipps der Redaktion

Hauptsache gesund?

Buch
Unkonventionell lebendig

Alva hat eine Diagnose bekommen – und niemandem davon erzählt. Sie nimmt ihr Schicksal mit auf den Berg. Und besteigt im Morgengrauen alleine den Calanda. Weil ihr die beginnende Krankheit die Kontrolle über ihre Muskeln nimmt, könnte sie der Aufstieg das Leben kosten. Genau darum geht es ihr.  Alva ist verbunden. Mit dem Igel im Garten, dem sie auch an diesem Morgen einen guten Tag wünscht. Mit Wurzeln und Gewächsen, die sich verändern, je höher sie steigt. Im Gehen zieht ihr Leben an ihr vorbei. Sie stolpert. Dann passiert etwas, das ihr in der Ausweglosigkeit einen Horizont auftut. Angelika Overath schreibt aus einer tiefen, wachen Lebenswahrnehmung. Ruhig und nüchtern lässt sie Alva von den Untiefen und Widersprüchen erzählen, von Schönheit, Liebe und Fügung. Ein kostbarer Roman, der die Leserin gleichzeitig demütig zurücklässt und bestärkt zum Leben. (vej)

–Calanda oder Alvas Antwort
Angelika Overath, 2026,  Luchterhand
ISBN 978-3-630-87786-0


Buch
Schonungslos ermutigend

Steffi Tauber, Musikerin und Schauspielerin, hat Multiple Sklerose. Schonungslos beschreibt sie, wie sich das anfühlt, welche Herausforderung nur der Weg vom Sofa in die Küche ist. Doch die Lektüre ist keineswegs deprimierend, sie lässt sogar schmunzeln. Die Autorin hält uns den Spiegel vor: wie verletzend «gut gemeinte» Hilfe, wie unnötig Ratschläge sind. Trotz grösster Einschränkungen meistert sie ihren Haushalt, hangelt sich von Gehstöcken über den Rollator bis zum Rollstuhl und findet Zeitfenster für berufliche Tätigkeiten. Sie lässt «für ein paar Momente das Leben durch meine Brille betrachten, ein paar stolpernde Schritte in meinen Schuhen … gehen». Ein ungemein lehrreiches Buch, das zu einem offenen Umgang mit Schwierigkeiten, Krankheiten und Behinderungen anregt. Und dazu, alles, was gerade gut ist, zu geniessen. (bl)

— Fliegen wäre eine Option
Steffi Tauber, 2026, Verlag: bene!
ISBN 978-3-96340-361-3


Buch
Wundervoll und fragil

Die Autorin dieses aussergewöhnlichen Buches ist durch eine seltene Krankheit ans Bett gefesselt. Sie beobachtet eine ihr zufällig mitgebrachte Schnecke in einem Blumentopf – später bekommt sie ein Terrarium. Es entwickelt sich eine lebensrettende Beziehung: «Ohne die Schnecke hätte ich es, glaube ich, nicht geschafft. Wenn der Schnecke das Leben etwas bedeutete und die Schnecke mir etwas bedeutete, hiess das, dass irgendetwas in meinem Leben von Bedeutung war, also hielt ich durch …», schreibt die schwerkranke Autorin. Mit grosser Leichtigkeit verbindet sie ihre Beobachtungen mit Zitaten aus wissenschaftlichen und historischen Werken über Schnecken. Es entsteht ein berührender Text, in dem man gleichermassen über das Wunder dieses Lebewesens und die Fragilität des eigenen Lebens staunt und zittert. (bl)

—Das Geräusch einer Schnecke beim Essen
Elisabeth Tova Bailey, 2012, Nagel & Kimche
ISBN 978-3-492-07156-7