Zürich regional

«Franziskus ist ein radikaler Beziehungsmensch»

Der vor 800 Jahren verstorbene Franz von Assisi ist aktuell. Pfarrer Christian Walti und Bischof Joseph Maria Bonnemain zeigen das am 4. Oktober im Grossmünster auf. 

«Das Leben von Franziskus ist heute so revolutionär und prophetisch wie vor 800 Jahren», sagt Grossmünsterpfarrer Christian Walti. «Er lebte eine radikale Offenheit gegenüber allem Leben, allen Geschöpfen, allen Menschen.» Dies habe grosse Sprengkraft: «Unsere Zivilisation will immer mehr und alles schneller. Franziskus zeigt einen ganz anderen Weg.» Bischof Bonnemain betont die «in der heutigen geopolitischen Situation hochaktuelle Bedeutung von Franziskus als Friedensstifter». Friede sei nicht mit Verhandlungen, Sitzungen, Kompromissen, und noch weniger oder absolut nicht durch Aufrüstung und Kräftemessen zu erreichen. Denn: «Friede beginnt durch die Erneuerung des eigenen Herzens und die Verbundenheit mit dem Friedensstifter schlechthin, Jesus Christus.»

Diesen radikal anderen Weg möchten die beiden zusammen mit der Franziskaner-Gemeinschaft von Zürich am 4. Oktober erfahrbar machen, in einer Form, «wie wir sie im Grossmünster noch nie hatten», so Walti. Es beginnt mit einer gemeinsamen Feier, die in einen offenen Mittelteil mit acht Stationen in und ums Grossmünster übergeht. Hier gibt es Gespräche, z. B. von einer Christin mit einem Imam oder mit dem Meteorologen Thomas Bucheli übers Klima, die Schöpfung und seinen Glauben. Oder mit einem Franziskaner-Bruder zum Sonnengesang des Franziskus. Oder eine Tiersegnung im Kreuzgang. Dann bringt jede Station ein Klangelement ins Schlussgebet mit dem Segen. 

Der ökumenische Gottesdienst vom 4. Oktober ist der erste gemeinsame Anlass vom Grossmünster-Pfarrer und von dem Churer Bischof – aber «nicht der letzte», sagt Bonnemain. Walti glaubt zwar nicht mehr an die institutionelle Ökumene, die unterkühlt und stehen geblieben sei. «Aber ich glaube an die warme Ökumene der persönlichen Beziehungen.» Und die stimmt zwischen den beiden. Das Grossmünster, laut Bonnemain «Kern und Seele unserer Stadt» und laut Walti «ein prophetisches Zeichen für den gemeinsamen Auftrag, offen zu sein für alle, die Gott suchen», sei der perfekte Ort für ihren ökumenischen Start. 

Franziskus ist ein radikaler Beziehungsmensch: «Er hat in einem Knoten Gegensätze zusammengebunden: Die Schöpfung, die Armen, Andersgläubige – zu seiner Zeit undenkbar», sagt Walti. Der Bischof findet in Franziskus das, «wovon wir alle träumen: eine Kirche, die sich glaubwürdig für die universelle Geschwisterlichkeit einsetzt. Die Teilungen in Gute und Böse, Freunde und Feinde, Glaubende und Nichtglaubende, Ausländische und Einheimische … überwindet. Tutti fratelli!»

— Ökumenische Feier
zum 800. Todestag von Franziskus von Assisi. Mit Pfr. Christian Walti, Bischof Joseph Maria Bonnemain und dem Franziskanerorden Zürich. Stationen in und ums Grossmünster, Tiersegnung im Kreuzgang.
4. Oktober, 10.00 Uhr

https://reformiert-zuerich.ch/event/gottesdienst-12670/