Pfungen, Ende Juni. Kurz vor 11 Uhr stehen trotz 30 Grad um die Kirche St. Pirminius bereits Festzelte, Bänke und Tische bereit. Die Kirchglocken unterbrechen das rege Treiben: Damit beginnt für Pfarrer Benignus Ogbunanwata keine gewöhnliche Messe, sondern die «joint mass» der Pfarrei und der Swiss Igbo-African Catholic Community.
Für die Swiss Igbo-African Catholic Community ist St. Pirminius seit 2008 ein spirituelles Zuhause. Pfarrer Benignus Ogbunanwata gründete sie, damit Afrikanerinnen und Afrikaner gemeinsam auf Igbo, der Sprache aus dem Südosten von Nigeria, Gottesdienst feiern können. Heute zählt die Community über 100 Mitglieder; zu den monatlichen Gottesdiensten in Pfungen reisen Gläubige aus der ganzen Schweiz an. «Wir sind dankbar, dass wir gemeinsam unseren Glauben zelebrieren können», so Benignus.
Einmal im Jahr findet die gemeinsame Messe mit der Gemeinde von St. Pirminius statt. Kaum in der Kirche wird klar, wie selbstverständlich hier Traditionen ineinandergreifen. Ministrantinnen und Ministranten ziehen zu Gospel zwischen den Mitgliedern der Swiss Igbo-African Catholic Community in ihrer farbenfrohen, traditionell-afrikanischen Kleidung ein. Darauf folgt «Lobet und preiset, ihr Völker, den Herrn», es wechseln sich Deutsch, Englisch und Igbo ab. Beim Friedensgruss löst sich die Sitzordnung vollständig auf. «May peace be with you» hallt im Kirchenschiff wider, die Gläubigen verlassen ihre Plätze, reichen einander die Hände, lachen und begrüssen einander. Die Kirche verwandelt sich in ein Durcheinander aus Stimmen, Farben und unverhohlener Freude.
Manuela Matt
Nach dem Ende der Messe geht es draussen weiter mit dem Mittagessen, dieses Jahr von der Igbo-Gruppe ausgerichtet – im nächsten Jahr dann wieder durch die Pfarrei. Auf den Festbänken entsteht innert Minuten ein Buffet mit Jollof-Reis, Kochbananen und Fufu. Unter den Zelten wird Schatten gesucht, kalte Capri-Sonne, Wasserglace und Wassermelone verteilt.
Mittendrin geht Benignus von Gruppe zu Gruppe. Seit 20 Jahren wirkt er in St. Pirminius; am kommenden Samstag feiert er sein Jubiläum, am Sonntag darauf die Pfarrei ihr 125-jähriges Bestehen. Die Verbindungen, die er geschaffen hat, reichen weit über diese gemeinsame Messe hinaus: Die Pfarrei unterstützt in Benignus’ Heimatdorf Akatta, Nigeria, ein Waisenhaus, zwischen den Gemeindemitgliedern von St. Pirminius und der Igbo-Gruppe sind Freundschaften entstanden.
Genau diese werden jetzt weiter gepflegt – trotz der Hitze sicher bis 18 Uhr, «vermutlich aber bis 22 Uhr», sagt Pfarrer Benignus schmunzelnd. Danach fahren einige der Mitglieder der Igbo-Gruppe bis nach Genf heim. Doch für eine Gemeinschaft wie diese scheint kein Weg zu weit.