«Macht und Verantwortung zu teilen fällt vielen Kirchenmännern immer noch schwer»

Zehn Jahre nach der Pilgerreise «Kirche mit* den Frauen» weilten 16 engagierte Schweizer Katholikinnen Anfang Juli erneut im Vatikan, um für eine gleichberechtigte Kirche einzutreten - und um sich zu vernetzen.

Die Gruppe der Frauen im Vatikan

Vor 10 Jahren wie auch heute fordert «Kirche mit* den Frauen», dass Frauen und Männer in der Kirche gleichberechtigt Entscheidungen treffen und Verantwortung tragen sollen. Helena Jeppesen-Spuhler, die als stimmberechtigte Teilnehmerin bei der Weltsynode dabei war, hat die diesjährige Ad-Limina-Reise massgeblich organisiert und begleitet. Sie resümiert im Anschluss an die Reise: «Der Ad Limina-Besuch der Schweizer Frauen in Rom ruft nach mehr!» Der Austausch in Rom habe die 16 Frauen bestärkt, auch weiterhin ihre Stimmen zu erheben, für ihr Anliegen einzustehen und sich noch stärker mit anderen Menschen, die sich für Gleichberechtigung einsetzen, zu vernetzen.

«Die Erfahrungen der Schweizer Kirche sind immer noch vielerorts unbekannt.»

Während der Reise besuchte die Delegation verschiedene Dikasterien - die in ihrer Funktion einem Ministerium enstprechen - und internationale Organisationen, wo sie ihre Anliegen erneut einbrachte. Die Frauen stellten nochmals das Projekt «Kirche mit* den Frauen» vor; anschliessend wurde diskutiert, was die entsprechende Stelle für die Gleichberechtigung von Frauen tun kann. Jeppesen-Spuhler berichtet, dass die Delegation das Thema der Gleichberechtigung auch auf internationaler Ebene angesprochen habe. «Die Erfahrungen in der Schweizer Kirche mit Frauen und nichtgeweihten Männern in der Gemeindeleitung sind in Rom immer noch vielerorts unbekannt. Da bedarf es weiterer Fleissarbeit, auch der Schweizer Bischöfe», so Jeppesen-Spuhler.

Übergabe des Buches «Kirche mit* den Frauen» an die Schweizer Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Manuela Leimbruber (links).

In der Zeit, in der die Delegation in Rom war, ernannte Papst Leo XIV. mit Sr. Alessandra Smerilli eine weitere Frau zur Präfektin eines Dikasteriums. Daher hätten die 16 Frauen mit den Verantwortlichen oft über die Veränderungen gesprochen, die sich zeigten, wenn Frauen Führungsverantwortung gegeben wird, erinnert sich Jeppesen-Spuhler. Sie findet: «Macht und Verantwortung zu teilen fällt vielen Kirchenmännern immer noch schwer».

«Frauen haben viel Widerstandskraft und Ausdauer.»

Abschliessend sagt sie: «Vor allem für die Frauen, die auch schon 2016 mit dabei waren, war die diesjährige Reise bereichernd. Es war toll, gemeinsam zu feiern, dass besonders Frauen viel Widerstandskraft und Ausdauer haben, wenn es darum geht, für gleiche Würde in der katholischen Kirche einzustehen.» Allerdings sei das grosse Engagement der Schweizer Kirche aus dem Jahr 2016 nicht mehr überall spürbar, was Viele deprimiere und entmutige. «Das Feiern in Rom hat gutgetan und gestärkt. Es galt zu würdigen, was damals geschehen ist und es ging darum, wieder miteinander Kraft zu schöpfen», schliesst Helena Jeppesen-Spuhler ihren Rückblick.

Ad-Limina-Besuch - für einmal von Frauen

Ad-Limina-Besuche sind im traditionellen Sinne regelmässige Reisen von Bischöfen nach Rom. Dort informieren sie den Papst und die vatikanischen Behörden über die Lage in ihren Bistümern und besprechen aktuelle Fragen des kirchlichen Lebens.

Die Jubiläumsreise von «Kirche mit* den Frauen» knüpft an diese Tradition an, verleiht ihr jedoch eine neue Bedeutung. Anstelle von Bischöfen reisten Frauen aus den verschiedenen Schweizer Bistümern nach Rom. Sie brachten ihre Erfahrungen und Anliegen ein, suchten den Austausch mit Vertretern des Vatikans und setzen sich dafür ein, dass die Perspektiven und Anliegen von Frauen in der Kirche stärker wahrgenommen werden.