Die Jubiläumssitzung des Zürcher Spendenparlaments ist wie immer spannungsgeladen, denn es geht um viel Geld. Christoph Sigrist leitet das Parlament auch nach 20 Jahren mit viel Engagement für die Projekte, die vorgestellt werden. Der ehemalige Grossmünsterpfarrer hat das basisdemokratische Philanthropie-Projekt 2006 nach Hamburger Vorbild gegründet. 17 Vereine haben sich für das Frühlingsparlament um eine Spende beworben, sieben dürfen ihre Idee an dieser 40. Austragung nun vorstellen. Die Projekte sind alle in der Stadt oder im Kanton Zürich verortet. Sie reichen von einem offenen Nähkurs für geflüchtete Frauen über Unterstützung für armutsbetroffene Menschen, Integrationsprojekte in Schulen bis zur Hilfe für Geflüchtete bei der Wohnungssuche oder bei deren Unterstützung bei unternehmerischen Projekten.
Katharina Viana-Bachmann
160 Mitglieder zählt das Zürcher Spendenparlament aktuell. Mit Mitgliederbeiträgen sowie mit Spenden von Privatpersonen und Institutionen unterstützen die Philanthropinnen und Philanthropen inklusive Projekte. Dafür kommen sie zweimal im Jahr im Zürcher Rathaus zusammen. Vorgängig studieren sie die Projektunterlagen und haben dann die Gelegenheit, nach einer dreiminütigen Präsentation durch die Projektverantwortlichen, ihre Fragen zu stellen, die Spendenbeiträge zu erhöhen oder zu kürzen. 290 Projekte hat das Spendenparlament seit der Gründung gefördert und dazu rund 3 Millionen Franken gespendet.
Vergangenes Jahr wurde das Parlament von der Paradies-Stiftung für soziale Innovation ausgezeichnet und erhielt ein Preisgeld über 100 000 Franken. Davon fliesst nun etwas in die erste Ausschüttung dieses Jahres ein, denn in der diesjährigen Frühlingssession übersteigen die Anträge die aus Mitgliederbeiträgen und Spenden zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel.
Die Projekte werden nach zehn Kriterien geprüft. «Das wichtigste Kriterium ist der Gemeinnutzen», sagt Präsident Thomas Huber, der der Prüfungskommission angehört. Er prüft nicht nur die Unterlagen, sondern unterstützt die Vereine bei Bedarf beim Stellen der Anträge oder bei der Vorbereitung auf die Präsentation. Auch beim Budget könne er behilflich sein, sagt der ehemalige UBS-Banker. Die meisten Mitglieder des Spendenparlaments sind zwischen 50 und 65 Jahre alt. Bis zum Alter von dreissig Jahren beträgt die Mitgliedschaft 150 Franken pro Jahr. «Eigentlich gebe es keine Ausrede, nicht mitzumachen», sagt Thomas Huber. Das Spendenparlament lebe von engagierten Debatten und vielfältigen Ansichten über alle gesellschaftlichen Gruppierungen hinweg. Da immer mal wieder Mitglieder altershalber ausschieden, sei die Organisation immer auf der Suche nach Menschen, die mitmachen möchten.
Ausser einem Projekt haben an dieser Jubiläumsveranstaltung alle Projekte Unterstützung erhalten. Die Freude ist gross – bei den Antragsstellenden, die nun ihre Projekte umsetzen können, und bei den Parlamentarierinnen und Parlamentariern, die mit ihrer Stimme mitbestimmen konnten, wo ihre Spende helfen soll.
Hinweis vom 9. Juli 2026: Dieser Artikel wurde aktualisiert. Die Angaben zur Zusammensetzung der finanziellen Mittel des Spendenparlaments wurden präzisiert. Zudem wurde eine fehlerhafte Aussage zum Mitgliederrückgang korrigiert: In einer früheren Version hiess es, die Gründe seien altersbedingt. Das trifft aktuell nicht zu.