Tipps der Redaktion

Die drei Ersten

Buch
Die erste Imamin

Seyran Ateş ist Muslimin. Sie will ihren Glauben weder konservativ-fundamentalistischen Strömungen noch patriarchalen Strukturen überlassen. Die deutsche Frauenrechtlerin und Anwältin mit türkischen und kurdischen Wurzeln lernt Arabisch und lässt sich in Istambul zur Imamin ausbilden. Zusammen mit anderen gründet sie 2017 die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee: «Wir wollen den Islam von innen heraus reformieren und mit einer zeitgemässen Auslegung des Koran Toleranz, Gewaltfreiheit und Geschlechtergerechtigkeit in den Vordergrund unserer Religionsausübung stellen.» Eine systematische Religionskritik sei im Islam notwendig: «Wer seine eigenen Fehler sieht und zum Thema macht, kann dazu beitragen, dass sie sich nicht wiederholen.» Eine mutige Frau, die ihre Überzeugungen umsetzt und so den Weg für Neues öffnet. (bl)

— Selam, Frau Imamin
Seyran Ateş, Ullstein Verlag 2017,
Vergriffen, Ausleihe bei www.relimedia.ch


Buch
Die erste Pfarrerin

Greti Caprez-Roffler nahm im Prättigauer Dorf Furna als erste Frau in Europa eine Stelle als reformierte Pfarrerin an. Sie tat dies, bevor es das Frauenpfarramt überhaupt gab. Deshalb akzeptierte der kantonale Kirchenrat den Entscheid der Pionierin nicht. Die junge Mutter hatte jedoch die Unterstützung ihrer Bündner Bergbauerngemeinde. Die Bergler waren mit der jungen Pfarrerin zufrieden und wehrten sich gegen diesen Beschluss. Greti Caprez-Rofflers Mann arbeitete zu dieser Zeit als Ingenieur in Zürich. Später motivierte sie ihn zum Theologiestudium, und das Paar übte das Pfarramt gemeinsam aus. Christina Caprez, ihre Enkelin, recherchierte die Geschichte ihrer Grossmutter und publizierte 2015 eine ebenso kritische wie eindrückliche Biografie einer Frau, die ihrer Zeit weit voraus war und bis heute als Vorbild gilt. (eme)

— Die illegale Pfarrerin. Das Leben von Greti Caprez-Roffler 1906–1994
Christina Caprez, Limmat Verlag
ISBN 978-3-85791-887-2


Buch
Die erste Rabbinerin

Am 27. Dezember 1935 erhielt Regina Jonas die Smicha, das Rabbinatsdiplom. Sie wurde damit zur ersten Rabbinerin der Welt. Hochgeschätzt für ihre Weise, das Judentum zu vermitteln, blieb ihr jedoch eine feste Rabbinatsstelle verwehrt. Jonas wuchs in einer einfachen, religiösen Familie in Berlin auf. Früh schon wollte sie Rabbinerin werden, ungeachtet, dass dies nicht üblich war. Später legte sie eine Arbeit vor, in der sie die Gleichberechtigung aus den jüdischen Religionsgesetzen heraus begründete. 1944 wurde sie in Auschwitz ermordet. Elisa Klapheck ist selbst Rabbinerin und hat die Arbeit von Jonas bereits vor 25 Jahren erstmals herausgebracht. Die Neuauflage bringt ein wertvolles Stück europäische, jüdische und Frauengeschichte ins Bewusstsein. (vej)

— Fräulein Rabbiner Jonas. Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?
Herausgegeben von Rabbinerin Elisa Klapheck,
Hentrich & Hentrich Verlag
ISBN 978-3-95565-752-9