Anno Domini

1958–1963: Il Papa buono

Weil Angelo Giuseppe Roncalli am 28. Oktober 1958 bei seiner Wahl zum Papst bereits 77 Jahre alt war und als konservativ galt, wurde er als Übergangspapst eingeschätzt. Deshalb war es eine gewaltige Überraschung, dass ausgerechnet dieser vermeintlich greise Papst am 25. Januar 1959 eine neues Konzil ankündigte. Mit «Macht die Fenster der Kirche weit auf!» soll er seinen Entscheid erklärt haben. Und kein Wort wird mit ihm so eng in Verbindung gebracht wie «aggiornamento» (Erneuerung). Johannes XXIII. und mit ihm das II. Vatikanische Konzil brachte neuen Schwung und auch neue Hoffnung in die Katholische Kirche. Endlich schienen sich neue Wege zu öffnen: Zusammen mit der Welt, zusammen mit anderen Konfessionen und Religionen und zusammen mit den Frauen und den Laien. Johannes XXIII. starb 1963 und konnte zwar noch den Geist, aber nicht mehr die Ergebnisse des Konzils prägen. Diese waren dann auch nicht ganz so kühn wie der Geist des «Papa buono». Und bis heute gibt es viele abgedichtete Fenster. Aber jene, die Johannes XXIII. und mit ihm das Konzil öffnete, liessen sich – obwohl es versucht wurde – nie mehr ganz schliessen. Das «aggiornamento» hallt bis heute als ständige Aufforderung durch die Kirche. Die Zeichen der Zeit zu lesen, kann nie als erledigt gelten.