Widmer & Binotto

Warum geraten wir immer vom Regen in die Traufe?

Es ist ein verdammtes Naturgesetz, das garantiert zuschlägt, wenn ich mit einem perfekt durchgetakteten Tag zum Schlag gegen mein Chaos aushole. Morgen wird alles reinpassen: Liebevoller Vater. Zwei Hammer-Texte aus dem Ärmel geschüttelt. Achtsamer Kollege. Drei Visionen auf das Magicboard gezaubert. Einfühlsamer Partner. Mailbox paletti. Tiefenentspannter Kumpel. Todo tippitoppi!

Es wird Abend und es wird Morgen … und der beginnt mit einem nicht eingeplanten Pfnüsel. Augenblicklich übernimmt das Naturgesetz und knallt Katastrophe um Katastrophe in meinen vollkommenen Tag, obwohl ich diesen so fugenfrei abgefüllt habe, dass selbst die klitze­kleinste Störung keinen Platz mehr finden soll.

Das ist dem Naturgesetz aber völlig egal. In der Znünipause stehe ich wie Noah in der steigenden Flut. Mittags seufze ich wie Hiob. In der Mittagshitze bricht die Götterdämmerung über mich herein. Und ab dem Espresso ha­dere ich wie Jona mit Gott und allem, was der je erschaffen hat. 

Dass es die Alchemisten wahrscheinlich nicht hinkriegen werden, aus Dreck Gold zu machen, ist mir klar.  Dass der Jackpot im Lotto nicht für mich bestimmt ist, habe ich akzeptiert. Dass der Marathon-Weltrekord allmählich ausser Reichweite gerät, damit habe ich mich abgefunden. Aber dass ich nun auch noch den Glauben aufgeben muss, dass mich perfektes Zeitmanagement auf ein neues Multitasking-Level upgradet, das ist hart.

Immerhin bin ich noch Meister im Multitasking-Slapstick: Während ich meinen Morgenkaffee trinke, räume ich die liegen gebliebene Schallplatte weg, das Smartphone zwischen Kinn und Schulter geklemmt, die frischen Klamotten über die Schulter geworfen. Das Smartphone fällt, ich lindere mit dem Fuss den Aufprall, schütte mir dabei den Kaffee über die Beine, gerate ins Stolpern, bleibe mit den Klamotten am Türgriff hängen, und das Letzte, was ich noch mitkriege, ist der traurige Klang einer Schallplatte, die in tausend Stücke zersplittert.