Zürich regional

Kirche zeigt sich

Zuerst im Kino, auf Plakaten und in den sozialen Medien, nun gross mit Blachen an kirchlichen Gebäuden: Die Kampagne «miteinander – füreinander» bringt das Engagement der Kirche in die Öffentlichkeit.

Nur 15 Prozent der Bevölkerung nehmen die katholische Kirche positiv wahr, 27 Prozent der Mitglieder liebäugeln mit dem Austritt. Dies zeigt die Sotomo-Studie, die 2025 von der Katholischen Kirche im Kanton Zürich in Auftrag gegeben wurde. Deutlich wird aber auch: grosse Teile der Bevölkerung schätzen Seelsorge und Begleitung in schweren Momenten, soziales Engagement und die Pflege von Gemeinschaft und Tradition. Genau das trägt die mit der Agentur «David Schärer Studio» entwickelte Reputationskampagne in die Öffentlichkeit. 

«Schon die Bibel sagt: man soll seine Talente nicht vergraben», betont Synodalratspräsident Raphael Meyer. «Ich finde es wichtig, dass wir uns als Kirche nicht verstecken, sondern unser positives Engagement zeigen und die Botschaft des Evangeliums weitertragen – und auch etwas in diese Verkündigung investieren.» Rund 500 000 Franken kostete die Kampagne: dazu gehört die Umfrage von 2025, das Entwickeln und Ausspielen der Kampagne sowie die noch ausstehende Nachbefragung. «Wir haben mit verhältnismässig wenig Geld viel rausgeholt», ist Agentur-Leiter David Schärer überzeugt. «Das war möglich dank der hohen Motivation von Regisseur Ferdinand Stöckel. Er war Feuer und Flamme für das Projekt. Und es war möglich dank der guten Laiendarstellerinnen und -darsteller, die uns die Kirche zugespielt hat!» Er habe noch nie so talentierte Laien mit so viel Spielfreude und Disziplin vor der Kamera gesehen. So sei mit dem eher knappen Budget die aufwendige Video­produktion mit mehreren Szenen, Standorten und der fürs Kino notwendigen hohen Qualität möglich gewesen.

Die Plakate der Kampagne «miteinander – füreinander» sind im ganzen Kanton zu finden.

Lässt sich das Image der Kirche mit einer Kampagne verbessern? Die tiefer liegenden Gründe für die Abwendung von der Kirche werden weder angesprochen, noch können sie dadurch verändert werden: Missbrauchsskandale, fehlende Gleichstellung, hierarchische Strukturen. «Missbrauch muss konsequent aufgeklärt werden und es muss alles getan werden, um den Betroffenen Gerechtigkeit und Anerkennung ihres Leidens zuteilwerden zu lassen», sagt Kommunikationsleiter Simon Spengler. Vor dem Hintergrund dieser kriminellen Handlungen gehe jedoch das Engagement von Hunderten von Menschen vergessen. «Wenn wir mit der Kampagne daran erinnern können, welchen gesellschaftlichen Mehrwert die katholische Kirche täglich schafft, dann haben wir schon viel erreicht», ist er überzeugt. Das unterstreicht auch Generalvikar Luis Varandas: «Gelebte Kirche ist Gottesdienst und Dienst an den Menschen, das wird im kurzen Film sehr eindrücklich und emotional dargestellt.» Die Kampagne zeige nur einen kleinen Ausschnitt von der grossen kirchlichen Gemeinschaft, aber sie könne als Einladung dienen, «auf diese Gemeinschaft zuzugehen und ins Gespräch zu kommen».