1980. Sommer. Rom: Die Schriftstellerin Goliarda Sapienza hat ihre Strafe wegen Diebstahls abgesessen und sitzt allein in ihrer Wohnung. Dies ist die eine Geschichte von «Fuori»: Gesellschaftliche Ächtung, Arbeitslosigkeit, Einsamkeit, Elend. Die andere Geschichte führt in die Schwerelosigkeit: Befreiung von Konventionen, Solidarität, Zärtlichkeit, Fahrtwind. «Fuori» erzählt vom Getrieben-werden und vom Sich-treiben-lassen.
Goliarda, die sich zuvor als Intellektuelle in der Kulturszene bewegt hat, ist durch eine aus der Not geborene Dummheit in den Knast gekommen. Dort entdeckt sie eine Frauenwelt, die gleichzeitig rauh und solidarisch ist. Ausgerechnet in Gefangenschaft geht Goliarda aus sich heraus und entdeckt ihr eigenes «fuori».
Physisch wieder draussen angekommen, zieht sie einen Sommer lang scheinbar ziellos mit den beiden ehemaligen Mitgefangenen Roberta und Barbara durch Rom.
Schwerelose und düstere Momente liegen weiterhin nah beisammen, manchmal nur einen Wimpernschlag entfernt. Vor allem Roberta ist auf eine Art und Weise ungezähmt, die Goliarda sowohl betört wie verängstigt. Freiheit bedeutet in dieser Konstellation nicht automatisch Glück und schon gar nicht Sicherheit. Die Frauen erleben einen Schmetterlings-Sommer: schwerelos, anmutig, flüchtig und endlich.
Wer italienische Geschichte und das literarische Werk von Goliarda Sapenzia (1924–1996) kennt, der wird manches in «Fuori» bestimmt leichter entschlüsseln. Dass in ihrem tatsächlichen Haus und im Gefängnis Rebibbia mit wirklichen Gefangenen gedreht wurde, verleiht dem Porträt und Zeitbild zudem zusätzliche Authentizität.
Die eigentliche Stärke von «Fuori» liegt jedoch darin, dass wir diese Geschichte nicht greifen können. Auch die Darstellerinnen krallen sich ihre Figuren nicht. Selbst Mario Martone berichtet vom Genuss, sich als Regisseur treiben zu lassen. Deshalb hat das Rom, durch das wir streifen, nichts aber auch gar nichts mit touristischem Sightseeing zu tun und die Geschichte, der wir uns hingeben, nichts aber auch gar nichts mit plumper Italianità.
— «Fuori» von Mario Martone / Italien 2025 / Valeria Golino, Matilda de Angelis, Elodie / ab 18. Juni im Kino.
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Wir gehen am Montag, 22. Juni gemeinsam ins Kino. Die genaue Zeit und der genaue Ort werden noch bekanntgegeben
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