Zürich regional

«Der Kosmos Bahnhof hat mich immer fasziniert»

Isabelle Mauerhofer, Leitung SOS Bahnhofhilfe Zürich

An den orangen Westen erkennt man uns Bahnhofhilfe-Mitarbeitende, wenn wir Menschen mit Sehschwäche, im Rollstuhl oder mit sonstiger Beeinträchtigung beim Umsteigen unterstützen. Es freut mich, dass wir mit dieser kleinen Unterstützung die oft hart erarbeitete Autonomie von Menschen mit Behinderung erhalten können. Passanten mit Handy und Kopfhörer merken oft nicht, wenn sie auf den taktilen Leitlinien für Sehbehinderte stehen, und weichen nicht aus. Der Bahnhof als Kosmos hat mich immer fasziniert. Eine grosse Infrastruktur, in der viele Profit machen, zieht auch Randständige, Orientierungs­lose, verlorene Menschen an. Der Bahnhof muss auch für sie Verantwortung übernehmen, finde ich. Die gute Zusammenarbeit mit verschiedenen Geschäften am HB ermöglicht es uns, täglich Essen vom Vortag an Armutsbetroffene abzugeben. Das wird rege genutzt; die Menschen stehen Schlange dafür. Ich habe früher auf einer Anlaufstelle gearbeitet. Diese Kontakte helfen für die Vernetzung mit Institutionen in der Gassenarbeit. So können wir Menschen entsprechend ihrer Bedürfnisse gezielt weiterleiten. Wir helfen auch orientierungslosen SBB-Kundinnen oder -Kunden, ihren Heimweg zu finden,  oder wir begleiten – von der Kindesschutzbehörde beauftragt – heikle Kindsübergaben von einem Elternteil zum anderen. Neben dem 50%-Pensum der Leitungsaufgabe in der Bahnhofhilfe ist meine Zeit gut gefüllt mit meiner Familie mit drei Kindern zwischen fünf und zwölf Jahren. Wenn ich einmal Zeit für mich habe, so begeistere ich mich für «Upcycling»: aus Stoffen aus der Brocki eine Hose oder aus einem alten Vorhang ein Kleid für meine Kinder nähen. Nach dem Studium der Sozial­pädagogik  habe ich in Afrika fünf Jahre ein Projekt geleitet. Ohne das hätte ich wohl noch Journalismus studiert.