Anno Domini

1933–1945: Zwischen Anpassung und Widerstand

Lange Zeit hat Rolf Hochhuths 1963 uraufgeführte Theaterstück «Der Stellvertreter» das Bild der katholischen Kirche während des Nationalsozialismus dominiert: Der Papst habe geschwiegen, um vor allem die Kirche zu schützen.

Heute ist unbestritten, dass es auch in der katholischen Kirche antisemitische Ressentiments gab, und dass die Kirche sich aus Angst vor Repressionen zu wenig mutig gegen die Verfolgung der Juden gewehrt hat. Dieses Bild wird jedoch gleichzeitig differenziert. Die «Gedenkstätte Deutscher Widerstand» hält beispielsweise fest: «Hitlers Befehl vom Herbst 1939, Patienten in Heil- und Pflegeanstalten zu ermorden, erregt Widerspruch von einzelnen Bischöfen, Geistlichen und Gläubigen. Während des Krieges werden Hunderte von Geistlichen in Konzentrationslagern gefangengehalten, mit Predigtverboten belegt oder unter Hausarrest gestellt.»

Zu den bekannten Widerständigen aus den Reihen der katholischen Kirche gehörten die Bischöfe Clemens August Graf von Galen und Konrad Graf von Preysing, der Jesuit Ruper Mayer, der Berliner Domprobst Bernhard Lichtenberg und Margarete Sommer (Bild), die unter anderem Berichte über Deportationen und Konzentrationslager sammelte und nach Rom weiterleitete.