Bistumstag im HB: Mitten unter den Menschen

Eine volle Bahnhofhalle, Kirchen-Stände von Gefängnisseelsorge bis zur Fachstelle bei Arbeitslosigkeit, ein Gottesdienst mit 140 Minis, eine ökumenische Vesper und ein glücklicher Bischof: der Zürcher Bistumstag wird noch lange in Erinnerung bleiben.

Auf 10 Uhr war der offizielle Start am Sonntag, 31. Mai, in der Bahnhofshalle gelegt. Während noch Stände eingerichtet, Bänke aufgestellt und die Technik getestet werden, stehen vor dem rot-weissen Absperrband schon unzählig viele Leute. Als um 10.30 Uhr die Eucharistie-Feier mit Generalvikar Luis Varandas, Bischof Joseph Maria Bonnemain und Diakon Urs Länzlinger beginnt, muss zwischen den Ständen vom Welcome-Team der Veranstaltung zuerst einmal Platz geschaffen werden: «Bitte uf d’Siite» hört man von überall, sogar einer der anwesenden Schweizer Gardisten eilt zur Hilfe – ohne Hellebarde natürlich. Dann geht es auch schon los und eine Welle aus Weiss strömt mitten durch die Stände. Es sind 140 «Minis», also Ministrantinnen und Ministranten, die vom Zwischenstock her gemeinsam mit Generalvikar, Bischof und allen anderen Beteiligten einziehen.

Nicht nur die 140 «Minis» zeigen, dass Kirche ganz jung geht: Auch das Welcome-Team, das tatkräftig bei der Organisation mithilft, setzt sich aus Mitgliedern des Jugendrates oder von Adoray zusammen, einige befinden sich kurz vor der Firmung. Sie alle tragen lilafarbene T-Shirts, auf deren Rückseite steht: «Was glaubst du» oder «Was hoffst du» - selbst designt. Dann zieht der weisse Zug durch die Menschenmenge bis nach vorne zur Bühne, wo die Eucharistie-Feier beginnt.

Diakon Urs Länzlinger, Bischof Joseph Maria Bonnemain und Generalvikar Luis Varandas am Altar (v.l.)

Bischof Bonnemain wendet sich an die Zuhörenden und erinnert daran, dass auch wenn das Bistumsjahr mit dem heutigen Tag endet, alle Anwesenden nach wie vor die Trägerinnen und Träger der Hoffnung und Freude Gottes sind. Dass man nicht stehen bleiben, sondern unterwegs sein soll, bis das Festhaus so gut gefüllt ist wie heute diese Halle.

Kaum ist die Messe vorbei, spielt auch schon die Band der Freien Katholischen Schulen Zürich, «Pfajaaal», mitreissend auf. Parallel zum Bühnenprogramm geht es auch mit dem Standbetrieb munter weiter. Besonders beliebt ist bei der Migrantenseelsorge das «Fischlispiel», bei dem man ein Branchli gewinnen kann. Auch beim Kirchenmagazin Forum gibt es etwas zu gewinnen, hier via Glücksrad. Eine Besucherin sagt: «Ich glaube nicht an Glück, ich glaube nur an Gott», und gewinnt promt den Hauptpreis: ein Eintritt zum «Kino unter Leuten». Die Theologische Hochschule Chur verteilt THC-Gummibärchen – also THChur für die Hochschule natürlich – das einzig Bewusstseins-verändernde ist ihr Studiengang.

Intensive Gespräche am Stand der HIV-Aids-Seelsorge.

Unterdessen steht Peter Januš mit der Andreasband und dem Jugendchor Uster auf der Bühne. In einem kurzen Moment der Stille singt ein vorbeilaufender Uber-Eats-Fahrer ein kleines Solo in die Halle hinein und erntet prompt tosenden Applaus. Raphael Meyer, Synodalratspräsident der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, sagt dazu: «Mein grosser Wunsch war es, dass der Bistumstag ein Volksfest wird, an dem die Bevölkerung vorbeikommt und mitfeiert. Wenn ich hier in die Runde schaue, dann ist uns das gelungen.» Dann geht es für Meyer weiter beim Podium zur «Zukunft der Kirche» mit Bischof Joseph Maria Bonnemain, Unternehmerin Hubertine Underberg und Religionswissenschaftlerin Rafaela Estermann. Die Diskussion endet mit der Ergänzung des Satzes: «Die Zukunft der Kirche…» und alle sind sich einig: Auf welche Weise auch immer, es gibt sie, die Zukunft der Kirche.

Zu einem kurzen Talk wird auch Nationalrat Philipp Kutter zusammen mit der Wirtschaftsprofessorin Margit Osterloh auf die Bühne gebeten; sie diskutieren darüber, wie und ob Glaube in schwierigen Zeiten helfen kann. «Gäbe es die Kirche nicht, müsste man sie erfinden», mit diesem Satz schliesst diese Runde ihre Diskussion. Das Bühnenprogramm endet nachdenklich mit der Beratungsstelle rund um die Berufslehre, Kabel, und ihrem Theater zum Thema Lehrabbruch und psychische Gesundheit von jungen Menschen. Dann bringen vier Tanzgruppen von Roundabout nochmals richtig Schwung in die Bude und das Publikum wird gebeten, gleich Richtung Grossmünster zu tanzen.

Auch dieses füllt sich zu einer eindrücklichen Feier mit Vertreterinnen und Vertretern der AGCK - Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Zürich. Sie alle schütten Wasser aus ihren Kirchen ins Taufbecken und formulieren einen Satz aus dem gemeinsamen Glaubensbekenntnis von Nicäa. Anschliessend werden die Anwesenden mit diesem Wasser «aus vielen Quellen», wie Generalvikar Luis Varandas sagt, besprengt und gesegnet. «Diese ökumenische Feier ist der erfüllende Moment unseres einjährigen Weges durch das Bistumsjahr», sagt zum Schluss ein sichtlich glücklicher Bischof Joseph Bonnemain.