«Aussergewöhnliche Produktion über Maria»

Mit «Maria. Was die Bibel über sie nicht erzählt. Mit der Musik Stabat Mater von Giovanni Pergolesi» will das Theater Rigiblick eine andere Geschichte der Maria erzählen. Entstanden ist ein emotionales Kunstwerk, getragen vor allem durch die Künstlerinnen.

Mona Petri als Maria.
Mona Petri ist noch zwei Mal im Theater Rigiblick als Maria zu sehen.

Die Bibel erzählt kaum etwas von Maria von Nazareth. Jedoch inspiriert die Mutter Jesu seit Jahrtausenden die Kunst, auch heute noch. Aktuell in einer Produktion des Zürcher Theaters Rigiblick, das für seine kongenialen Verbindungen von Musik und Schauspiel bekannt ist.

Im Stück «Maria» verkörpert Mona Petri die Titelrolle in einem beeindruckenden Bühnensolo. Petris Maria erzählt lebhaft, selbstbewusst und kritisch von ihrem Sohn, sie flüstert, schreit, weint. Ihr Text basiert auf dem Roman «The Testament of Mary» des irischen Autors Colm Tóibín von 2012 (die deutsche Übersetzung «Marias Testament» ist 2014 erschienen). Doch Mona Petri ist nicht allein auf der Bühne, die beiden Sängerinnen Anna Gschwend und Stephanie Szanto treten mit ihr in einen faszinierenden Dialog, begleitet von einem hochkarätig besetzten Streicherensemble mit Cembalo. Sie musizieren das «Stabat Mater» von Giovanni Pergolesi (1710-1736), wunderbar zart und kräftig zugleich. So nahe einem diese Musik geht, so befremdlich ist der lateinische Text, der das Mitleiden Mariens unterm Kreuz verherrlicht. Er wird auch auf Deutsch an die Wand projiziert, so dass der Austausch zwischen Barockmusik und zeitgenössischer Romanfigur weder überhört noch übersehen werden kann.

Dieses starke Konzept hat Jochen Strauch entworfen, der auch Regie führt. Es ist beeindruckend, wie die mittelalterliche Marienfrömmigkeit des «Stabat Mater» in der herzergreifenden Vertonung Pergolesis den modernen Schauspieltext kommentiert und kontrastiert. Ja, beide Kunstwerke kommen in dieser ausserordentlichen Theaterproduktion miteinander ins Schwingen, spannungsvoll, irritierend, inspirierend. Das ist ein Erlebnis, nicht zuletzt dank der grossartigen Künstlerinnen.

Maria von Nazareth freilich ist hier nicht zu finden. Vielmehr entlarvt der Abend, wie Maria immer wieder als Projektionsfläche herhalten muss. Auf die klassische Projektion als Mater Dolorosa einer mehrheitlich vergangenen Leidensfrömmigkeit trifft die zeitgenössische Projektion einer kirchenkritischen, selbstständigen Frau.

Christine Stark ist reformierte Pfarrerin in Zürich-Witikon und entsprechend distanziert zu jeglichem Marienkult. Jedoch liebt sie seit ihrer Kindheit Mariendarstellungen in der Kunst, insbesondere der Renaissance.

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