Die Zwölf

Zwölf rebellische Mönche

In der langen Geschichte des Mönchtums gab es viele Gelegenheiten inner- und ausserhalb des Ordens anzuecken. Kurzer Auszug aus der Revoluzzer-Liste.

1. Benedikt von Nursia
Dem Überpater des europäischen Mönchtums wurde zu Beginn seiner Laufbahn die Leitung des Klosters in Vicovaro angetragen. Der Widerstand der Mönche gegen seine Reformen wurde jedoch so stark, dass sie ihn zu vergiften versuchten.
— ca. 480–547 in Italien

2. Roger Bacon
Der in Somerset geborene Franziskaner gilt als Begründer empirischer Methoden und stand deshalb – und auch wegen seiner polemischen Ader – mit den Theologen seiner Zeit derart auf Kriegsfuss, dass er zeitweise sogar unter Arrest gestellt wurde.
— ca. 1220– ca. 1292 in England

3. Girolamo Savonarola
Als dominikanischer Bussprediger, der die Verkommenheit der welt­lichen wie kirchlichen Oberschicht anprangerte, wurde er zum politischen Schwergewicht in Florenz. Die vielen Feinde, die er sich machte, bewirkten seine Hinrichtung. 
— 1452–1498 in Italien

4. Erasmus von Rotterdam
Er war als Denker, Übersetzer und Reformer in ganz Europa so einflussreich, dass man ihn «Humanistenfürst» nannte. Dass er mit 21 Jahren Augustiner-Chorherr geworden war, spielte dabei keine Rolle mehr. Bereits 1492 hatte er das Kloster verlassen – und es nie wieder betreten.
— ca. 1466–1536 in Europa

5. Martin Luther
Wie sein humanistisches Vorbild Erasmus war er Augustiner. Im Gegensatz zu diesem führte sein Reformwille jedoch zur Trennung von der Kirche und zum Aufbau eines neuen Bekenntnisses.
— 1483–1546 in Deutschland

6. Bartolomé de Las Casas
Der Dominikaner gehörte zu den ersten Kolonisten in Südamerika, wurde jedoch deren schärfster Kritiker. Er dokumentierte schonungslos das Unrecht an den Ureinwohnern und trat vehement für ihre Rechte ein.
— ca. 1484–1566 in Südamerika

7. Giordano Bruno
Er erweiterte das kopernikanische Weltbild und zweifelte die Menschwerdung Gottes an. Über zwanzig Jahre lang befand sich der Dominikaner deswegen mit der Kirche im Streit. 1600 wurde er vom Papst zum Tode verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Im Jahr 2000 erklärte Johannes Paul II. dieses Urteil als unrechtmässig.
 — 1548–1600 in Italien.

8. Friedrich Spee
Er war ein bedeutender Lyriker des Barocks – vor allem aber ein scharfsinniger und wortgewandter Kritiker des Hexenwahns.  Zeitweise drohte dem Jesuiten deshalb gar die Entlassung aus dem Orden.
— 1591–1635 in Deutschland

9. Thomas Merton
Der Trappist und Einsiedler war einer der einflussreichsten spirituellen Lehrer des 20. Jahrhunderts. Zu seiner Spiritualität gehörte auch der Protest gegen atomare Aufrüstung und den Vietnamkrieg.
— 1915–1968 in den USA

10. Huub Oosterhuis
Seine Lieder und kraftvollen Nachdichtungen der Psalmen sind heute kirchliches Allgemeingut. Das war nicht immer so: 1969 wurde er aus dem Jesuitenorden ausgeschlossen und trat danach auch aus der katholischen Kirche aus.
— 1933–2023 in den Niederlanden

11. Erwin Kräutler
Der Vorarlberger ist ein «Missionar vom Kostbaren Blut». Als inzwischen emeritierter Bischof in Brasilien setzt er sich trotz Morddrohungen unablässig für die Rechte der indigenen Bevölkerung und die Erhaltung des Regenwaldes ein.
— *1939, lebt in Brasilien

12. Andreas Knapp
Er gehört zu den «Kleinen Brüdern vom Evangelium», lebt in einer Plattenbau-Siedlung in Leipzig und arbeitete längere Zeit in einer Fabrik. Das ist der Boden, auf dem seine moderne geistliche Lyrik gedeiht. 
— *1958, lebt in Deutschland.