Mit Lastwagen, rund 25 Leuten und viel Technik reist er an mindestens neun Sonntagen im Jahr zu einer Kirche irgendwo in der Deutschschweiz. Während der Gottesdienst im Fernsehen oder am Radio läuft, sitzt Theus im Übertragungswagen und behält den Überblick: Sind wir in der Zeit? Läuft alles nach Plan? Nötigenfalls gibt er per Funk der Sendeleitung in der Kirche Anweisungen. Vorangegangen sind ein Erkundungstag und mehrere Besprechungen mit den Medienbeauftragten der Kirchen und dem Seelsorgeteam vor Ort. Der Ablauf ist minutiös vorbereitet. Theus hat jedes Wort auf seine Fernseh- und Radiotauglichkeit sowie Verständlichkeit geprüft. Seit bald einem Jahr ist der 34-Jährige als Produzent und Fachredaktor bei SRF Kultur.
Schon als Bub hat Fabio Theus mit seinem farbigen Kassettenrekorder und einem Mikrofon Radio gespielt. Als Jugendlicher schnuppert er bei Radio Grischa. Da es dort keine Lehre gibt, startet er als kaufmännischer Lehrling. Engagiert sich in der Freizeit «ohne Lohn, dafür gratis auf allen Open Airs» in der Jugendsendung des Lokalradios. Dort wird er nach Berufsmatura und Militär Redaktor und später Redaktionsleiter – möchte dann aber studieren. Theologie oder «Multimedia Production»? Beides interessiert ihn gleichermassen. Er legt die zwei Anmeldeformulare vor sich hin und wählt, was nach dem Abzählvers «Abzelle – Bölle schele» herauskommt: Theologie. Während des anschliessenden Pastoraljahres ereilt ihn der Ruf der Hochschule, sich an einem Promotionsprojekt in Liturgiewissenschaft zu beteiligen. Thema: «Rituelle und liturgische Formen als Massnahme der Krisenintervention». Er lässt sich begeistern und doktoriert in Chur, arbeitet nebenbei weiterhin beim Lokalradio. Während eines Militärdienstes, um Mitternacht, schaut er in ein Jobportal. «Ich wollte mal was anderes arbeiten. Zum Beispiel in einer Berghütte im Service.» Zufällig sieht er die SRF-Ausschreibung. Frühmorgens um vier Uhr schickt er seine Bewerbung ab. Nach einem längeren Assessment bekommt er die Stelle. Er bleibt Kirchen-Organist in seinem Wohnort Flims, unterrichtet einen Tag pro Woche «Religion und Gesellschaft» an der Oberstufe und begleitet den Kirchenchor von Trimmis, wo er aufgewachsen ist, am Klavier. Und ja, im Kirchenmusik-Projekt «jubilate.ch» ist er auch engagiert. Seine Kirchenvision? «Eine Kirche, die mit Mut neue Wege geht und im Fortschritt lebendig bleibt, um Glauben und Gemeinschaft zeitgemäss zu gestalten.»