Kino unter Leuten

«Dossier 137»

2018: Für Familie Girard geht es nach Paris, um dort an der Seite der Gelbwesten gegen die Wirtschaftspolitik von Emmanuel Macron zu demonstrieren. Die Fahrt endet für den Jugendlichen Guillaume in einer Katastrophe: Er wird von Polizisten niedergeschlagen und so schwer verletzt, dass er bleibende Schäden davonträgt.

Es ist nun an der Polizistin Stéphanie, zusammen mit ihrem kleinen Team zu untersuchen, ob es sich um unverhältnismässige polizeiliche Gewaltanwendung gehandelt hat. Je tiefer sie in dieses Dossier 137 eintaucht, desto deutlicher wird die politische Tragweite des Einzelfalls. Soll der Polizeiapparat um jeden Preis geschützt werden? Gleichzeitig muss sich Stéphanie damit auseinandersetzen, dass sich ihre eigene Lebensgeschichte nicht feinsäuberlich vom Fall trennen lässt. Es stehen also der Rechtsstaat wie die persönliche Integrität auf dem Spiel.

Dominik Moll hat mit «Dossier 137» einen Thriller gedreht, dessen Ernsthaftigkeit ihn weit über den Genredurchschnitt hebt. Moll verzichtet auf Musik als Emotionstreiber, benötigt keine Hetzjagden und lässt die Finger von Schockmomenten. Die Anspannung schleicht sich leise und fast unmerklich in unseren Körper, während Stéphanie sich mit beharrlicher Methodik durch den Fall kämpft und gegen alle Widerstände auf Klärung drängt. Léa Drucker verkörpert die Hauptrolle unglaublich eindringlich, ganz ohne manipulative Tricks.

Damit wird «Dossier 137» zu einem reportagehaften Dokument, obwohl gleich zu Beginn klar gemacht wird, dass es sich um eine Fiktion handelt – wenngleich basierend auf realen Vorfällen.

Die minutiös forschende Haltung der Inszenierung, die keine schnellen Antworten zulässt, verweigert sich billigem Voyeurismus. Wenn in einer Schlüsselszene Stéphanie ein Zeugen­video immer wieder anschaut, wird allen Mitschauenden exemplarisch vor Augen geführt, was sie beim ersten Mal nicht gesehen haben. Und was sie wohl auch beim zweiten Mal immer noch übersehen werden. Das ist investigativ im wörtlichen Sinne: Aufspüren statt selbstgerecht urteilen.

— «Dossier 137» von Dominik Moll / Frankreich 2025 / Léa Drucker, Yoann Blanc, Guslagie Malanda, Etienne Guillou-Kervern, Antonia Buresi, Aleksandra Yermak  / ab 21. Mai im Kino.

Lust mit uns zusammen den Film des Monats «Dossier 137» anzuschauen?
Wir gehen ins Kino am Dienstag, 26. Mai. Genaue Uhrzeit und Ort werden ein paar Tage davor bekanntgegeben.

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