Anno Domini

1926: Chinesische Bischöfe

Am 28. Oktober 1926 weihte Papst Pius XI. in Rom sechs chinesische Priester zu Bischöfen. Darin drückte sich ein neues Missionsverständnis aus, das seit dem 1. Weltkrieg gewachsen war.

Bis dahin wurden durch die Missionierung faktisch die Kolonialmächte in ihrem Herrschaftsanspruch unterstützt. Mit dem Glaubensbekenntnis wurde den Menschen auch das europäische Weltbild aufgezwungen. Ihre eigenen Traditionen und Wertvorstellungen wurden als rückständig eingestuft.  Mit der Missionierung ging deshalb auch eine Europäisierung einher. Die Eigenständigkeit der Völker wurde nicht gefördert.

1919 vollzog Papst Benedikt XV. eine Kehrtwende. In einem Lehrschreiben hielt er fest, dass Missionierung nicht mit Kolonialismus einhergehen dürfe. Die Kirche müsse Sitten und Werte der Einheimischen respektieren.

Der Papst formulierte als Ziel, dass der einheimische Klerus «eines Tages selbst die Leitung seines Volkes» übernehmen werde.

Die Weihe von sechs Chinesen zu Bischöfen war dafür ein klares Zeichen. Dieses war auch deshalb richtungsweisend, weil es zuvor der katholischen Kirche gerade in China nicht gelungen war, den religiösen Traditionen der Einheimischen mit Wertschätzung zu begegnen.