Eric Wrede fährt mit seinem Lastenbike am Anfang einer langen Velokolonne. Auf den Lenkern stecken kleine Blumenbouquets. Er führt keine Velodemo an, sondern einen Trauerzug. Auf dem Lastenvelo des Bestatters steckt die Urne in einer Holzvorrichtung, die eigens dafür gezimmert wurde, auch für einen Kranz und einen Strauss hat es einen vorgesehenen Platz.
Eric Wrede ist als Bestatter ein Quereinsteiger. Zuvor war er im Musikgeschäft tätig und hat Kunstschaffende betreut. Nun führt er ein Bestattungsunternehmen in Berlin mit Filialen an vier Standorten. «Wir versuchen Abschiede so anzubieten, wie wir sie selber gerne hätten», sagt der Unternehmer im Dokumentarfilm von Michael Schwarz und Alexander Griesser. Dass es dabei vor allem um die Wünsche der Angehörigen geht, war Eric Wrede von Anfang an klar. Da brauche es Zeit und Raum, sich auch ein zweites und drittes Mal neu zu entscheiden.
Kennen Sie eine Bestatterin oder einen Bestatter? Wer sind die Menschen, denen wir am Ende unseres Lebens todsicher ausgeliefert sein werden? In «Der Tod ist ein Arschloch» lernen wir einige von ihnen kennen. Im Team von Eric Wrede arbeiten drei Frauen, die sich wie er in der Mitte ihres Lebens nach einer Arbeit mit Sinn gesehnt haben. Ihnen schauen wir über die Schulter, wenn sie eine verstorbene Frau waschen, ankleiden, ihr die Haare kämmen und die Nägel feilen. Bei dieser Arbeit brennen Kerzen und die Bestatterinnen sprechen die Verstorbene immer wieder an. Da liegt eine Person, keine Leiche.
Die Kamera kommt den toten Menschen nahe und wahrt doch eine würdige Distanz. Und wenn sie das nicht kann, dann bleibt sie draussen und wir hören einfach zu. Etwa beim Transport einer Verstorbenen durch ein enges Treppenhaus, da hören wir, wie sich die Bestatterin und der Bestatter beraten, um die Verstorbene zum Wagen zu transportieren, während wir ausschliesslich die Fassade des Wohnhauses zu Gesicht bekommen.
Doch die Betreuung der Verstorbenen ist nur ein Teil der Arbeit der Bestatterinnen und Bestatter. Da kommt auch eine Tochter in das Ladenlokal des Bestattungsunternehmens, um dort mit ihrer Mutter über deren Bestattung zu sprechen. Und ein Vater mit einer tödlichen Diagnose lässt sich von Eric Wrede zum Umgang mit seinem Sohn beraten. Der Bestatter hat ein paar Ideen, wie sie den Sechzehnjährigen in seinem diffizilen Alter unterstützen können.
Der Dokumentarfilm über das Berliner Bestattungsunternehmen ist eine gelungene Einladung, sich seine letzten Dinge in aller Ruhe zu überlegen. Vielleicht machen sich nach diesem Film bei Ihnen Bestattungswünsche bemerkbar, und Sie informieren sich, was in Ihrer Gemeinde möglich ist. Vielleicht erstellen Sie eine Playlist für Ihre Abdankung oder formulieren eine Rede, die am Abschiedsmahl vorgelesen wird. Vielleicht merken Sie aber auch, dass Sie mit Ihrer Bestattung nichts zu tun haben wollen, und dass das Organisieren mit ihrem Ableben endlich auch zu einem Ende kommt.
«Der Tod ist ein Arschloch» von Michael Schwarz und Alexander Griesser / Deutschland 2025 / Dokumentarfilm / ab 30. April im Kino