Dachverband für Missbrauchsbetroffene geplant

Die IG für Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld plant die Gründung eines nationalen Dachverbandes. Ziel sind schweizweit einheitliche Standards im Umgang mit Missbrauch.

Vreni Peterer
Vreni Peterer, Präsidentin der IG-M!kU, ist zu einem Gesicht der Missbrauchsbetroffenen in der Schweiz geworden.

Zusammen mit den Partnerorganisationen SAPEC in der Westschweiz und GAVA im Tessin plant die Interessengemeinschaft für missbrauchsbetroffene Menschen im kirchlichen Umfeld IG-M!kU die Errichtung eines nationalen Dachverbands. Dies wurde an der Generalversammlung des Vereins von den Mitgliedern einstimmig beschlossen. Ab Herbst 2026 soll schweizweit eine Geschäftsstelle jenen Teil der Arbeit übernehmen, der sich beispielsweise mit der kritischen Begleitung kirchlicher Aufarbeitung oder mit Anfragen der Öffentlichkeit befasst. Die Begleitung von Betroffenen hingegen soll ehrenamtlich bleiben, um die Unabhängigkeit zu wahren.

Finanziell möglich wird die Gründung eines Dachverbands vor allem durch Gelder der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, die der Deutschschweizer IG-M!kU jährlich 50‘000 Franken gesprochen hat. Auch die RKZ, die Römisch-Katholische Zentralkonferenz, stellt für die Startphase des Dachverbands für 2027 bis 2029 eine Unterstützung von jährlich 25‘000 Franken in Aussicht. Die drei Organisationen SAPEC, GAVA und IG-M!kU sind unterschiedlich strukturiert und finanzieren sich hauptsächlich durch Mitgliederbeiträge und Spenden.

Trotz Fortschritten weiterhin erhebliche Defizite im Umgang mit sexuellem Missbrauch

Inhaltlich zieht die IG-M!kU in ihrem Jahresbericht 2025 die Bilanz, dass «trotz Fortschritten weiterhin erhebliche Defizite im Umgang mit sexuellem Missbrauch im kirchlichen Kontext» bestehen. Dies vor allem im Bereich Transparenz und Opferschutz. «Noch immer werden mutmassliche Täter teilweise in sensiblen Funktionen belassen oder nicht konsequent aus diesen entfernt», heisst es in der Medienmitteilung. Weiterhin gefordert seien «verbindliche nationale Richtlinien: zeitnahes Handeln, transparente Information und der konsequente Schutz von Menschen».

Den Gebetstag für Missbrauchsbetroffene, den die Schweizer Bischofskonferenz jüngst für den 18. November eingeführt hat, bewertet die IG-M!kU «mit gemischten Gefühlen». «Sichtbarkeit ist wichtig, reicht jedoch nicht aus, solange strukturelle Probleme bestehen».

An der Generalversammlung wurden die zu bestätigenden Mitglieder des Vorstands einstimmig bestätigt, darunter die Präsidentin Vreni Peterer. Sie stellt einen Rücktritt von ihrer Funktion auf die Generalversammlung 2027 in Aussicht. Dann sei die Hauptstudie des historischen Seminars der Universität Zürich zu Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche der Schweiz erschienen und weitere wichtige Meilensteine gesetzt.