Der kleine Raum oberhalb einer Nebentreppe liegt «strategisch perfekt», sagt Seelsorger Johannes Oravecz: «Nebenan gibt es einen Rückzugsort für stillende Mütter, ein Zimmer für Angestellte, WC-Anlagen und einen Geldautomaten. Es ist sozusagen die Etage der Nöte», schmunzelt er. «Hier finden uns viele zufällig.» Auf der Türe sind diskret die Symbole der Weltreligionen abgebildet, drinnen strahlt gedämpftes Licht. Vier bequeme Sessel und zwei Stühle stehen um einen runden, kunstvoll geknüpften Teppich. Auf dem Büchergestell finden sich ein Gästebuch und Lektüre für ein kurzes Innehalten. Darunter verbergen sich in einer Gebetsmauer aus roten Ziegelsteinen kleine farbige, zusammengerollte Zettel: Bitten, Dank, Sorgen und Nöte der Menschen, die hierherkommen.
Oravecz liebt seine Arbeit im Einkaufszentrum: «Das ist Seelsorge pur. Ich kann mich voll auf die Menschen konzentrieren und ganz für sie da sein.» Christine Forster schätzt «Begegnungen mit Menschen, die wir in einer Kirchgemeinde nicht hätten.» So kämen einige Muslime, die im Einkaufszentrum arbeiten, regelmässig zum Gebet. Die reformierte Pfarrerin kommt mit ihnen ins Gespräch: «Viele von ihnen erleben Vorurteile und Diskriminierung, sie schätzen es, dass sie hier willkommen sind.»
Nebst den beiden Seelsorgenden kümmern sich 22 Freiwillige um den reibungslosen Betrieb von «Raum + Stille». Beat Graf, selbständiger Malermeister, berichtet von der Begegnung mit einer Familie, deren Mutter eine Krebsdiagnose bekommen habe. «Sie wünschten ein gemeinsames Gebet. Es war sehr eindrücklich, diesen Moment in ihrem Leben mit ihnen zu teilen.» Die pensionierte Christina Hofmann möchte nach einem erfüllten Leben etwas zurückgeben: «Ich bin hier einfach präsent und kann die Sorgen der Menschen aufnehmen.» Der 55-jährige Geschäftsmann Oliver Moeri möchte ganz bewusst «als Jünger Jesu» da sein. Barbara Auf der Maur ist bereits seit sieben Jahren als Freiwillige engagiert. «Es wäre doch sonst langweilig», meint die quirlige Frau. Sie liebt die Begegnungen mit verschiedensten Menschen.
«Die Besucherzahlen steigen kontinuierlich», freuen sich Johannes Oravecz und Christine Forster. «Sicher auch dank der guten Zusammenarbeit mit der Leitung des Einkaufszentrums, die unser Angebot unterstützt und fördert.»
Raum+Stille
— Jubiläumswoche 10 Jahre Raum + Stille
Mo., 4. Mai, bis Sa., 9. Mai 2026
12.00–12.15 Uhr: Meditationen
12.15–18.00 Uhr: Alltagsbetrieb
18.00–19.30 Uhr: Festbetrieb, Snacks und Getränke, kreative Angebote