Mit 33 Jahren begann Gertrud Schuster, Damenschneiderin und Modeschnitt-Zeichnerin, ihre Ausbildung zur Katechetin. Heute steht die Leiterin der Fachstelle für Religionspädagogik kurz vor der Pensionierung. Menschen auf ihrem Glaubensweg begleiten – das ist ihre Leidenschaft. Angefangen hat es mit den Kleinkinderfeiern in ihrer Pfarrei. Sie hatte viel Freude am Gestalten dieser Feiern, so dass sie entsprechend dem Wachstum ihrer Kinder nach und nach Aus- und Weiterbildungen absolvierte und vom Ehrenamt ins kirchliche Berufsleben wechselte. Als Katechetin unterrichtete sie zuerst Unter- und Mittelstufe. Anschliessend wurde sie Religionslehrerin an der «Flade», der Katholischen Sekundarschule St. Gallen. Während 15 Jahren unterrichtete sie ganze Schulklassen: «Hier merkte ich, dass mir vertiefte Theologie-Kenntnisse fehlen.» Daher startete sie den vierjährigen, nebenberuflich möglichen «Studiengang Theologie». Kurz nach dessen Abschluss wurde sie als erste Frau zur Seelsorgerin an der «Buebeflade» gewählt.
«Ich habe immer gedacht, dass ich in meiner Berufszeit erleben werde, dass eine Frau zur Diakonin geweiht wird», sagt sie. «Jetzt sehe ich: immer noch unmöglich.» Von solchen Enttäuschungen lässt sie sich nicht bremsen. Nach wie vor brennt in ihr das Feuer, die Freude, den Glauben weiterzugeben: «Sonst wäre ich nicht so lange im ‹Kirchenkuchen› geblieben.» Mit Freude und Kreativität prägt sie seit 2012 die Fachstelle für Religionspädagogik in Zürich. Als Erstes baute sie ein Projekt zur Vorschulkatechese auf und entwickelte Vorlagen für Kleinkinder und ihre Familien, die bis heute genutzt werden. Später wurde sie Ausbildungsleiterin: Sie begleitet angehende Katechetinnen und Katecheten, führt Standortgespräche, bespricht Lehrpläne und leitet die Abschlussprüfungen. Massgeblich beteiligt war sie sowohl an der Umsetzung der Ausbildung nach ForModula, die für die ganze Deutschschweiz gilt, als auch an der Konzeption des jetzigen zweiten Bausatzes. Zudem unterrichtet sie einzelne Module – am liebsten Spiritualität. Darin liegt ihre wichtigste Kraftquelle. «Schon als junge Frau habe ich angeleitete Schweigeexerzitien besucht», erzählt sie. «Seit zehn Jahren verbringe ich jedes Jahr eine Woche allein im Schweigen, in einem kleinen Häuschen am Walensee. Ein Bibeltext begleitet mich. Ihn meditierend setze ich mich mit meinem Leben und Glauben auseinander. Schreibe Tagebuch, schwimme und gehe wandern. Das tut mir unglaublich gut.»