Kino unter Leuten

«Divine Comedy»

Ausgerechnet jetzt eine «göttliche Komödie» aus dem Iran? – Bereits die ersten Minuten von Ali Asgaris «Divine Comedy» geben mit ihrer brillanten Demaskierung der iranischen Diktatur die Antwort. Minutenlang wird dem Filmemacher Bahram im Kulturministerium erklärt, weshalb sein Film nicht aufgeführt werden darf. Dabei bleibt die Staatsmacht eine Stimme aus dem Off ohne Gesicht. Bahram kämpft um seinen Film, er erklärt und wehrt sich. Seinem Gesicht sind perplexes Unverständnis, Entsetzen, Resignation und Widerstand abzulesen. Die Stimme aus dem Off jedoch bleibt unverändert ruhig. In ihrer gefühllosen «Kultiviertheit» ist sie gleichermassen blanker Hohn und reine Folter.

Bahram beschliesst, sich über die Zensur hinwegzusetzen und organisiert eine private Vorführung. Dafür braucht er seine Produzentin Sadaf, die sich weigert, den Hidschab zu tragen und diesen Widerstand mit blau gefärbtem Haar unterstreicht. Er muss auf seinen Zwillingsbruder Bahman zugehen, der sich auf seichte Komödien verlegt hat, um der Zensur zu entgehen. Und er hofft auf eine reiche Dame, die sich ausgerechnet für die Rechte von Hunden einsetzt, die bei den islamischen Autoritäten als unrein gelten. Die Dame soll ihr Haus zur Verfügung stellen, der Bruder die Technik und Sadaf ihre scheinbar grenzenlose Energie, die sich auch an der rosa Vespa zeigt, mit der sie Bahram durch die Strassen Teherans chauffiert.

Ali Asgar lässt die Grenzen zwischen Fiktion und Realität bewusst verschwimmen. Die Zwillinge heissen im wirklichen Leben genauso Bahram und Bahman, vom Staat zensurierte Filmemacher. Sadaf ist Sadaf Asri, im Iran mit Schauspielverbot belegt. Auch Ali Asgari wurde immer wieder das Opfer von Repressionen. Und natürlich wurde «Divine Comedy» im Iran ohne staatliche Erlaubnis gedreht und ist dort verboten.

Diese «göttliche Komödie» ist ein witziger Film, aber kein lustiger. Es ist der Witz der Verzweiflung, der aus ihm schreit. Der Witz des Widerstands, der sich nicht brechen lässt. Und es ist der Witz der Hoffnung, der unbeirrt daran glaubt, dass das Kino ein Ort der sich öffnenden Fenster sein sollte.

— «Divine Comedy» (Komedie Elahi) von Ali Asgari / Iran 2025 / Bahram Ark, Sadaf Asgari, Amirreza Ranjbaran, Bahman Ark, Hossein Soleimani, Mohammad Soori / ab 23. April im Kino.

Lust mit uns zusammen den Film des Monats «Divine Comedy» anzuschauen?
Wir gehen ins Kino am Montag, 27. April. Die genaue Zeit und der Ort werden noch bekanntgegeben.

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