Golden glänzt der Hochaltar im Halbdunkel der neugotischen Kirche, neben den hohen, in dunkelrot gehaltenen Fenstern. Nicht nur alle Figuren – im Mittelpunkt die Kreuzigungsgruppe sowie die Apostel Petrus und Paulus – sind in goldene Gewänder gehüllt, auch der Hintergrund ist ganz in Gold gehalten. Und sowieso die vielen Ornamente an den filigranen Säulen, Kapitellen und Spitzbogen. Das Besondere: Der Altar wurde aus lauter 5-Rappen-Stücken bezahlt. Denn St. Peter und Paul war die «Armeleute-Kirche», gebaut 1874 im damaligen Arbeiterquartier «Aussersihl». Als sie fertig war, reichte das Geld nicht mehr für die Innenausstattung. Was tun? Kurzerhand wurde ein «Fünfrappenverein» gegründet. Seine Mitglieder, darunter viele Dienstmädchen aus dem süddeutschen Raum, spendeten von ihrem oft kargen Lohn wöchentlich fünf Rappen, so dass nach knapp 10 Jahren genügend Geld für den Altar zusammen war. Was für ein Glück haben wohl die Dienstmädchen und einfachen Arbeiter vor dem golden glänzenden Altar empfunden, im Wissen darum, dass er aus ihren vielen sauer abgesparten 5-Rappen-Stücken erbaut werden konnte?
5-Rappen-Altar:
Hochaltar in der Kirche St. Peter und Paul,
Werdgässchen 26, Zürich