Überlebenshilfe und Friedensarbeit im Land Jesu

Einmal mehr ist die Lage im Nahen Osten katastrophal. Umso mehr engagiert sich der Schweizerische Heiliglandverein für Projekte in der Region. Das ist möglich dank der Kollekte in den Gottesdiensten der Karwoche.

Junge Muslime und Christen lernen gemeinsam an der Handwerkerschule in Bethlehem.

«Unser Engagement fühlt sich oft wie eine Sisyphus-Arbeit an», sagt Hans Rahm, der im Heiliglandverein für die Finanzen zuständig ist. «Einem Pfarrer im Südlibanon haben wir einen Traktor finanziert, damit er das Land der Pfarrei von den Bauern bestellen lassen kann und sie so Lebensmittel für ihre Familien anbauen können. Doch nun wurde der Traktor von einer Rakete getroffen…» Doch je schlimmer die Lage, umso wichtiger die Hilfe: «Wir unterstützen die orientalischen Kirchen vor Ort in ihrer Sozialarbeit. Immer mehr Menschen sind darauf angewiesen…»

So geht ein Teil der diesjährigen Karwochenkollekte an drei melkitische Bistümer in Syrien. «Seit Jahren unterstützen wir die Bischöfe in ihrer sozialpastoralen Arbeit im Norden von Syrien in Aleppo, im Westen in Lattakia und im Tal der Christen, und im Süden in Bosra, Hauran und Jabal Al-Arab», sagt Hans Rahm. «Sie informieren uns jeweils, wofür sie die erhaltenen Spenden eingesetzt haben.» Auch an Waisenhäuser und Schulen von Ordensleuten im Libanon sowie für Stipendien der Universität und der Handwerkerschule in Bethlehem vergibt der Heiliglandverein Spenden. «Damit leisten wir auch wichtige Friedensarbeit», betont Walter Arnold, Aktuar im Heiliglandverein. Denn in all diesen Bildungseinrichtungen werden sowohl junge Christen wie Muslime unterrichtet. «Sie erfahren, dass das Zusammenleben möglich ist und lernen die Perspektiven der anderen kennen und verstehen.»

Bildungsarbeit ist immer auch Friedensarbeit. Hier in Oberägypten

Insgesamt betreut der Schweizerische Heiliglandverein rund 20 Projekte in Ägypten, Israel, Palästina, Syrien, im Libanon und dem Irak. Die Karwochenkollekte nimmt der Verein im Auftrag der Bischofskonferenz in allen Schweizer Pfarreien auf. «Daher muss die Bischofskonferenz auch alle unsere Projekte genehmigen.» Die Hälfte des Kollektenertrags geht jeweils an den Franziskaner-Orden, der vor Ort sehr engagiert ist.

Eine der Hauptaufgaben des Vereins sei nebst der Projektbegleitung, sichere Wege für die Geldüberweisungen zu finden. Wegen Sanktionen, schlechtem Internet, Stromausfällen und anderen kriegsbedingten Schwierigkeiten sei das eine Herausforderung. «Doch wir verfolgen das akribisch und bekommen von unseren Projektpartnern immer die notwendigen Rückmeldungen», betont Rahm.

Wichtig ist die Altersarbeit der Karmelitergemeinschaft im Nordlibanon: wer kann, verlässt das Land. Zurück bleiben oft ältere, mittellose Menschen.

«Christinnen und Christen nehmen im Nahen Osten oft eine vermittelnde Rolle ein. Sie pflegen Kontakte zu Muslimen und Juden. Mir ist es wichtig, die Präsenz der christlichen Kirche im Land, wo Jesus gelebt hat, zu unterstützen», sagt Walter Arnold. «Die persönliche Beziehung mit unseren Projektpartnern ist dabei wesentlich», ergänzt Hans Rahm. «Es geht nicht nur darum, für sie Geld zu sammeln, sondern ihre Erfahrungen und ihr Glaubenszeugnis bei uns bekannt zu machen: mit unserer Zeitschrift, der Internetseite und Veranstaltungen.» Denn: «Wir können viel lernen von der Spiritualität dieser Christinnen und Christen, die als Minderheit unter anderen Religionsgemeinschaften leben.»

Schweizerischer Heiliglandverein

Seit der historischen Reise 1974 von Papst Paul VI. in den Nahen Osten wird in allen katholischen Pfarreien der Schweiz die Kollekte in der Karwoche für die Christinnen und Christen im Heiligen Land aufgenommen. Sie wird vom Schweizerischen Heiligland-Verein organisiert, der mit der Hälfte des Ertrags Projekte in Ägypten, Irak, Israel, Libanon, Palästina und Syrien unterstützt. Die andere Hälfte der Karwochenkollekte geht an die Kustodie der Franziskaner im Heiligen Land. Der Heiligland-Verein besteht seit mehr als 120 Jahren.

Schweizerischer Heiliglandverein

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